Neue Bildformate: Ein kleiner Blick in die Zukunft
Wer ein Foto verschickt, auf einer Webseite veröffentlicht oder für einen Abzug vorbereitet, begegnet fast zwangsläufig dem JPEG. Die Dateien enden auf .jpg oder .jpeg und gehören seit Jahrzehnten zum fotografischen Alltag. Meldungen über ein mögliches Ende dieses Formats klingen deshalb nach einer großen Veränderung. Doch wie nah ist dieser Wandel tatsächlich?
Neue Bildformate sind bereits nutzbar. Dass JPEG bald von der Bildfläche verschwindet, ist damit allerdings nicht gesagt. Vieles spricht eher für ein längeres Nebeneinander.
Was neue Bildformate versprechen
JPEG kann Fotos vergleichsweise platzsparend speichern. Dafür werden Bildinformationen verworfen. Bei hoher Qualität fällt das häufig kaum auf, bei starker Kompression können dagegen sichtbare Störungen entstehen, etwa kleine Blöcke oder unsaubere Übergänge.
Neuere Formate wie AVIF und JPEG XL gehen effizienter mit den Bilddaten um. Sie können bei vergleichbarer sichtbarer Qualität kleinere Dateien ermöglichen. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt vom Motiv, den Einstellungen und dem verwendeten Verfahren ab. Eine feste Speicherersparnis lässt sich deshalb nicht für jedes Foto versprechen.
Hinzu kommen Möglichkeiten wie HDR, also die Speicherung für eine Darstellung mit erweitertem Helligkeitsumfang. Damit dieser Vorteil sichtbar wird, müssen jedoch auch Software und Bildschirm die entsprechende Darstellung unterstützen. Ein neues Dateiformat allein sorgt noch nicht für ein eindrucksvolleres Bild.
AVIF und JPEG XL unterstützen sowohl verlustbehaftete als auch verlustfreie Speicherung. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: „Kein sichtbarer Unterschied“ bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Bildinformationen unverändert erhalten bleiben.
Bereits heute in der Fotobearbeitung angekommen
Die neuen Formate sind keine reine Zukunftsmusik. Zoner Studio bietet beispielsweise bereits den Export in AVIF und JPEG XL an. Wer damit arbeitet, kann sie also heute schon ausprobieren. Die grundlegende Bearbeitung eines Fotos ändert sich dadurch zunächst wenig: Helligkeit, Farben und Kontraste werden weiterhin wie gewohnt angepasst. Die neue Möglichkeit begegnet uns vor allem beim Speichern und Exportieren.
JPEG XL hat außerdem eine besondere Fähigkeit: Vorhandene JPEG-Dateien können mit einem dafür vorgesehenen Verfahren verlustfrei neu komprimiert werden. Dabei lässt sich die ursprüngliche JPEG-Datei später wieder exakt rekonstruieren. Das ist eine spezielle Funktion und nicht mit jedem gewöhnlichen Export nach JPEG XL gleichzusetzen. Bereits beim ursprünglichen JPEG-Speichern verlorene Details kommen dadurch auch nicht zurück.
Bei der Präsentation beginnt die Veränderung ebenfalls
Für Webseiten können kleinere Bilddateien kürzere Ladezeiten und weniger übertragene Daten bedeuten. WordPress unterstützt AVIF bereits seit Version 6.5 – vorausgesetzt, die Bildverarbeitung auf dem Server unterstützt das Format ebenfalls.
Auch bei JPEG XL bewegt sich etwas: Google hat im Oktober 2026 die Unterstützung ab Chrome 155 angekündigt. Das verbessert die Voraussetzungen für den Einsatz im Web. Es bedeutet jedoch nicht, dass damit automatisch jede Galerie, jedes Bearbeitungsprogramm und jeder Fotodienst das Format verarbeitet.
Wer Fotos weitergibt, braucht schließlich eine durchgängige Unterstützung: Die Datei muss sich beim Empfänger öffnen lassen und für den vorgesehenen Zweck funktionieren. Eine erfolgreiche Darstellung im Browser sagt noch nichts darüber aus, ob derselbe Dateityp für ein Fotobuch angenommen wird.
Was bedeutet das für Deine Fotos?
Für einen sofortigen Wechsel besteht deshalb kein Anlass. Wer mit seinem bisherigen Ablauf gut zurechtkommt, kann ihn weiter nutzen. Zum Ausprobieren reichen zunächst Kopien einzelner Bilder. So lässt sich prüfen, wie Dateigröße, sichtbare Qualität und Unterstützung in den tatsächlich genutzten Programmen zusammenpassen.
Meine Einschätzung ist, dass uns neue Bildformate schrittweise häufiger begegnen werden – beim Export, auf Webseiten und bei der Darstellung auf geeigneten Bildschirmen. Wann und ob sie JPEG im breiten fotografischen Alltag verdrängen, lässt sich heute nicht verlässlich sagen.
Der kleine Blick in die Zukunft zeigt eine Entwicklung, die bereits begonnen hat. Einen festen Termin für das Ende des JPG gibt es daraus nicht abzuleiten. Interessant ist vor allem, welche zusätzlichen Möglichkeiten entstehen und wann sie im eigenen Fotoalltag wirklich nützlich werden.


