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Stereorille

Zwei Tonkanäle in einer einzigen Rille

Eine Stereorille ist eine Schallplattenrille, die die Informationen für den linken und den rechten Tonkanal gemeinsam enthält. Dafür werden bei der üblichen Stereo-Schallplatte die beiden Flanken einer einzigen Rille genutzt. Eine Abtastnadel nimmt beide Kanäle gleichzeitig auf – zwei getrennte Rillen oder zwei Nadeln sind dafür nicht nötig.

Wie funktioniert die Stereorille?

Im Querschnitt ist die Rille annähernd V-förmig. Ihre beiden Flanken stehen im rechten Winkel zueinander und sind jeweils um 45 Grad gegen die Plattenoberfläche geneigt. Deshalb heißt das Verfahren 45/45-Stereoschrift oder Flankenschrift.

Der linke Kanal ist der inneren, zum Plattenzentrum gerichteten Rillenflanke zugeordnet, der rechte Kanal der äußeren Flanke. Die zugehörigen Bewegungsrichtungen stehen jeweils senkrecht auf der betreffenden Flanke. Die Musik steckt in den feinen Veränderungen dieser Rillenform entlang der Spirale.

Beim Abspielen liegt die Nadel an beiden Flanken an. Ihre Bewegung wird im Stereo-Tonabnehmer in zwei elektrische Signale umgesetzt, die anschließend getrennt verstärkt und über den linken und rechten Lautsprecher wiedergegeben werden.

Seitwärts und aufwärts: Wie beide Kanäle zusammenwirken

Die Nadel bewegt sich beim Abspielen nicht einfach nur nach links und rechts. Je nach Musiksignal kommen Bewegungen nach oben und unten hinzu. Anschaulich lässt sich das so unterscheiden:

  • Identische Signale in beiden Kanälen: Die Rillenmodulation führt zu einer rein seitlichen Bewegung.
  • Unterschiedliche Signale: Zusätzlich entsteht eine vertikale Bewegung.
  • Gleich starke, gegenphasige Signale: Die Bewegung ist im Idealfall rein vertikal.

Die seitliche Bewegung entspricht also dem Summenanteil beider Kanäle, die vertikale dem Differenzanteil. „Links ist seitwärts, rechts ist aufwärts“ wäre deshalb eine falsche Erklärung. Beide Kanäle wirken gemeinsam auf die Bewegung derselben Nadel.

Die Stereorille erzeugt dabei keine Räumlichkeit aus sich heraus. Sie bewahrt die Unterschiede zwischen den beiden Kanälen der Aufnahme. Ob Du eine Stimme in der Mitte und Instrumente seitlich davon wahrnimmst, hängt auch von Aufnahme, Mischung und Wiedergabe ab.

Was unterscheidet sie von einer Monorille?

Bei der üblichen seitengeschnittenen Mono-Mikrorillenplatte ist die Musik durch seitliche Auslenkungen gespeichert. Ein Stereo-Tonabnehmer kann solche Platten grundsätzlich ebenfalls wiedergeben. Er liefert dann in beiden Kanälen weitgehend dasselbe Musiksignal.

Umgekehrt ist Vorsicht geboten: Historische Mono-Tonabnehmer, deren Nadel vertikal nicht ausreichend nachgeben kann, können Stereorillen beschädigen. Moderne Mono-Tonabnehmer unterscheiden sich in ihrer Konstruktion. Ob ein bestimmtes Modell für Stereo-Platten geeignet ist, solltest Du deshalb anhand der Herstellerangaben prüfen.

Die V-Form allein kennzeichnet übrigens keine Stereorille: Auch Mono-Mikrorillen besitzen einen solchen Querschnitt. Entscheidend ist, wie das Tonsignal darin gespeichert ist.

Warum die Abtastung wichtig ist

Die beiden Flanken müssen möglichst sauber abgetastet werden. Eine verschmutzte oder verschlissene Nadel sowie eine fehlerhafte Einstellung können die Wiedergabe beeinträchtigen.

Zur korrekten Einrichtung gehören die vom Hersteller vorgesehene Auflagekraft, die Tonabnehmergeometrie und ein passendes Antiskating. Auch der Azimut, also die seitliche Neigung des Tonabnehmers beziehungsweise der Nadel, spielt eine Rolle für die Trennung der beiden Kanäle.

Eine vollständige Trennung gelingt in der Praxis nicht: Ein kleiner Anteil des einen Kanals gelangt auch in den anderen. Das wird als Übersprechen bezeichnet. Die Kanaltrennung ist deshalb eine Eigenschaft der gesamten Abtastung und nicht allein der Schallplatte.

Seit wann gibt es Stereorillen?

Das 45/45-Verfahren setzte sich Ende der 1950er-Jahre als Standard für Stereo-Schallplatten durch. Eine 1958 veröffentlichte gemeinsame Erklärung beteiligter Unternehmen dokumentiert die internationale Abstimmung dieses Systems.

Die Lösung erlaubte zwei Kanäle in einer einzigen Rille, während grundlegende Plattenformate und Drehzahlen beibehalten werden konnten. Das Prinzip wird bis heute für gewöhnliche Stereo-Vinylplatten verwendet.

Die Stereorille speichert zwei Tonkanäle über die beiden Flanken einer einzigen Rille. Eine Nadel folgt ihrer gemeinsamen räumlichen Modulation, der Tonabnehmer gewinnt daraus die Signale für links und rechts. Das erklärt zugleich, warum eine sorgfältige Abtastung für eine saubere Stereo-Wiedergabe wichtig ist.

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