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J.J. Cale – Troubadour: Die Kunst der musikalischen Zurückhaltung

Manche Alben beeindrucken durch große Arrangements, virtuose Soli oder eine aufwendige Produktion. Andere brauchen all das nicht. „Troubadour“ von J.J. Cale gehört zur zweiten Kategorie. Ein Album, das seinen ganz eigenen Rhythmus hat und gerade durch seine Zurückhaltung bis heute überzeugt.

Ein Musiker, der nie im Mittelpunkt stehen musste

J.J. Cale gehörte zu den Musikern, deren Einfluss weit über ihre eigene Bekanntheit hinausging. Der 1938 in Oklahoma City geborene Gitarrist, Sänger und Songwriter entwickelte einen Stil, der sich nur schwer einem einzelnen Genre zuordnen lässt. Blues, Country, Rock und eine gute Portion Rhythm & Blues verbinden sich bei ihm zu einer Musik, die häufig als Tulsa Sound bezeichnet wird.

Dabei ging es Cale selten um große Gesten. Sein Gitarrenspiel war präzise, aber niemals aufdringlich. Sein Gesang wirkte oft eher gesprochen als gesungen. Und seine Kompositionen lebten von einem Rhythmus, der sich ganz selbstverständlich entwickelte.

Mit seinem Debütalbum Naturally von 1971 hatte Cale bereits gezeigt, wie überzeugend dieser Ansatz sein konnte. Es folgten Really (1972) und Okie (1974).

Als im September 1976 sein viertes Studioalbum Troubadour erschien, war dieser musikalische Stil längst zu seinem Markenzeichen geworden.

Troubadour – zwölf Songs ohne große Inszenierung

Produziert wurde das Album von Audie Ashworth, der bereits an Cales vorherigen Alben beteiligt gewesen war. Die Aufnahmen entstanden in mehreren Studios, überwiegend im US-Bundesstaat Tennessee.

Cale arbeitete mit erfahrenen Studiomusikern zusammen, darunter Gitarrist Reggie Young, Bassist Tommy Cogbill und Schlagzeuger Kenny Buttrey. Auch der bekannte Steel-Gitarrist Buddy Emmons gehörte zu den beteiligten Musikern.

Was daraus entstand, klingt erstaunlich geschlossen. Obwohl unterschiedliche Musiker und Aufnahmeorte beteiligt waren, besitzt Troubadour eine durchgehende musikalische Handschrift.

Die Instrumente lassen sich Raum. Gitarren setzen kurze Akzente, Bass und Schlagzeug halten den Groove zusammen. Cales Stimme fügt sich in dieses Zusammenspiel ein, statt darüber zu dominieren.

Das Album hat einen warmen, trockenen und stellenweise beinahe beiläufigen Charakter. Gerade diese scheinbare Einfachheit macht seine Musik interessant.

Zwischen Blues, Country und einem entspannten Groove

Schon der Opener Hey Baby zeigt, wohin die Reise geht. Ein unaufdringlicher Rhythmus, eine zurückhaltende Stimme und Gitarren, die genau das spielen, was der Song benötigt.

Mit Travelin‘ Light wird die Musik etwas beweglicher. Der Titel besitzt eine Leichtigkeit, die hervorragend zu Cales Stil passt. Nichts klingt angestrengt, und trotzdem bleibt der Rhythmus sofort im Ohr.

Ride Me High entwickelt dagegen eine beinahe hypnotische Wirkung. Die wiederkehrenden musikalischen Figuren stehen im Mittelpunkt, während sich die Instrumentierung eher durch kleine Veränderungen als durch große Kontraste entwickelt.

Auch auf der zweiten Albumseite bleibt Cale seiner Linie treu. The Woman That Got Away, Super Blue und Cherry zeigen unterschiedliche Facetten seiner Musik, ohne den entspannten Grundcharakter aufzugeben.

Was mich an dieser Art von Musik besonders interessiert, ist das Verhältnis zwischen Einfachheit und Wirkung. Ein Stück muss nicht kompliziert aufgebaut sein, um musikalisch interessant zu bleiben. Manchmal genügt eine kleine rhythmische Verschiebung oder eine kurze Gitarrenphrase.

Cocaine – ein Song, der durch Eric Clapton berühmt wurde

Der wohl bekannteste Titel des Albums ist Cocaine. Viele Musikfreunde verbinden den Song zunächst mit Eric Clapton. Dabei stammt das Stück von J.J. Cale. Clapton veröffentlichte seine Version 1977 auf dem Album Slowhand und machte den Titel einem wesentlich größeren Publikum bekannt.

Interessant ist der Vergleich der beiden Interpretationen.

Cales Original wirkt zurückgenommen, fast beiläufig. Der Rhythmus läuft gleichmäßig, die Gitarre bleibt sparsam und der Gesang fügt sich in das Arrangement ein. Claptons Interpretation besitzt dagegen einen deutlich ausgeprägteren Rockcharakter. Der Gitarrensound steht stärker im Vordergrund und die gesamte Darbietung wirkt kraftvoller. Beide Versionen haben ihren Reiz. Sie zeigen aber auch, wie unterschiedlich ein und dieselbe Komposition interpretiert werden kann.

Dass Cale als Songwriter großen Einfluss auf andere Musiker hatte, zeigt sich nicht nur an Cocaine. Auch After Midnight, bereits 1970 von Clapton aufgenommen, stammt aus seiner Feder.

Der Klang von Troubadour

Troubadour ist kein Album, das durch spektakuläre Klangeffekte oder eine besonders breite Inszenierung beeindrucken möchte. Seine Stärke liegt vielmehr im Zusammenspiel der Instrumente. Die Gitarren klingen überwiegend weich und kontrolliert. Bass und Schlagzeug bilden ein solides Fundament, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Gesang bleibt vergleichsweise zurückhaltend und ist Teil des musikalischen Gesamtbildes.

Die Produktion lässt den Songs ihren natürlichen Charakter. Dabei ist der Klang keineswegs puristisch im Sinne einer einfachen Live-Aufnahme. Die Arrangements sind durchaus sorgfältig gestaltet und gelegentlich um zusätzliche Klangfarben erweitert. Gerade bei Troubadour lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die Melodien zu achten, sondern auf die kleinen Details im Hintergrund.

Eine zweite Gitarre, die nur wenige Töne ergänzt. Eine rhythmische Figur, die sich beinahe unbemerkt wiederholt. Oder eine kurze instrumentale Antwort auf Cales Gesang. Solche Feinheiten sind ein wesentlicher Bestandteil seiner Musik.

Troubadour auf Vinyl

Das Album erschien ursprünglich 1976 bei Shelter Records. Im Laufe der Jahrzehnte folgten unterschiedliche internationale Veröffentlichungen und Wiederauflagen.

Für Vinylfreunde ist besonders interessant, dass Troubadour auch als audiophile Neuauflage erhältlich war. Analogue Productions veröffentlichte 2021 eine 180-Gramm-Ausgabe, die von Ryan K. Smith bei Sterling Sound neu gemastert und bei Quality Record Pressings gefertigt wurde.

Ob eine solche Neuauflage tatsächlich besser klingt als eine gut erhaltene ältere Pressung, lässt sich allerdings nicht allein aus dem höheren Plattengewicht oder dem verwendeten Label ableiten. Entscheidend sind unter anderem das Mastering, der Plattenschnitt, die Fertigungsqualität und natürlich der Zustand des jeweiligen Exemplars.

Bei einem Album wie Troubadour würde ich besonders auf eine saubere Wiedergabe der leisen Details, einen kontrollierten Bass und eine natürliche Darstellung der Stimme achten. Die Musik selbst benötigt keine spektakuläre Wiedergabe. Sie lebt davon, dass die einzelnen Instrumente zusammenfinden und ihren Charakter behalten.

Ein Album, das nicht um Aufmerksamkeit kämpft

Fünfzig Jahre nach seiner Veröffentlichung hat Troubadour nichts von seinem besonderen Charakter verloren. Es ist ein Album, das sich nicht in den Vordergrund drängt. Die Songs sind kompakt, die Arrangements sparsam und die musikalische Haltung bemerkenswert konsequent.

Wer J.J. Cale bisher hauptsächlich durch die von Eric Clapton bekannt gemachten Kompositionen kennt, findet hier einen guten Zugang zu seinem eigenen musikalischen Stil. Und wer seine Musik bereits schätzt, entdeckt auf Troubadour viele jener kleinen Details, die seine Aufnahmen so unverwechselbar machen.

Troubadour ist für mich vor allem ein schönes Beispiel dafür, dass musikalische Qualität nicht von Komplexität oder Virtuosität abhängt. J.J. Cale verstand es, aus wenigen musikalischen Elementen einen eigenen Klang zu entwickeln. Seine Musik besitzt Ruhe, Rhythmus und eine bemerkenswerte Selbstverständlichkeit.

Gerade in einer Zeit, in der Musik häufig möglichst unmittelbar Aufmerksamkeit erzeugen soll, wirkt dieser Ansatz beinahe wohltuend. Troubadour ist ein Album, dem man Zeit geben sollte. Nicht, weil es besonders schwer zugänglich wäre, sondern weil sich seine Feinheiten oft erst beim bewussten Zuhören erschließen.

Und vielleicht ist genau das eine seiner schönsten Eigenschaften.

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