Antiskating
Ausgleich für die seitliche Kraft am Tonarm
Antiskating ist eine Einrichtung am Plattenspieler, die der nach innen gerichteten Skatingkraft des Tonarms entgegenwirkt. Sie soll dafür sorgen, dass die Abtastnadel die beiden Flanken der Schallplattenrille möglichst gleichmäßig belastet. Damit unterstützt sie eine saubere Wiedergabe und hilft, einseitigen Verschleiß an Nadel und Rille zu vermeiden.
Warum entsteht die Skatingkraft?
Während die Schallplatte dreht, entsteht Reibung zwischen der Abtastnadel und der Rille. Bei einem üblichen Drehtonarm mit gekröpftem Tonabnehmer wirkt diese Reibungskraft nicht entlang der Verbindung zwischen Nadel und Tonarmlager. Dadurch entsteht ein Drehmoment, das den Tonarm zur Plattenmitte zieht.
Entscheidend ist also das Zusammenspiel von Reibung und Tonarmgeometrie. Die Skatingkraft entsteht nicht einfach dadurch, dass die Rille spiralförmig nach innen verläuft. Auch ein gerades Tonarmrohr kann einen entsprechend angewinkelten Tonabnehmer besitzen und benötigt dann einen Ausgleich.
Antiskating erzeugt ein entgegengesetztes, nach außen wirkendes Drehmoment. Je nach Konstruktion geschieht das beispielsweise durch eine Feder, ein kleines Gewicht an einem Faden oder eine magnetische Vorrichtung.

Was bewirkt Antiskating bei der Wiedergabe?
In einer Stereo-Schallplattenrille tragen die beiden Rillenflanken die Informationen des linken und rechten Kanals. Eine seitliche Kraft verändert die Verteilung der Belastung: Eine Flanke wird stärker, die andere schwächer belastet.
Ist der Ausgleich deutlich zu gering oder zu stark, kann die Nadel anspruchsvolle Passagen schlechter abtasten. Hörbar werden unter Umständen Verzerrungen, die in einem Kanal stärker auftreten. Eine dauerhaft ungleichmäßige Belastung kann außerdem einseitigen Verschleiß begünstigen.
Antiskating ist allerdings kein allgemeines Mittel gegen verzerrten Klang. Eine verschmutzte oder verschlissene Nadel, eine falsche Auflagekraft und eine unpassende Tonabnehmerjustage können ebenfalls Abtastprobleme verursachen.
Antiskating einstellen
Der Ausgangspunkt ist die Anleitung des Plattenspielers beziehungsweise Tonarms. Zunächst sollte der Plattenspieler waagerecht stehen, der Tonabnehmer korrekt ausgerichtet und die vom Tonabnehmerhersteller empfohlene Auflagekraft eingestellt sein. Anschließend wird Antiskating nach den Vorgaben des Tonarmherstellers eingestellt.
Bei vielen Geräten lautet die Empfehlung, auf der Antiskating-Skala zunächst denselben Zahlenwert wie bei der Auflagekraft zu wählen. Bei 2 Gramm Auflagekraft wäre das beispielsweise die Einstellung „2“. Diese Übereinstimmung ist eine Vorgabe der jeweiligen Skala: Sie bedeutet nicht, dass eine seitliche Gegenkraft von 2 Gramm auf die Nadel wirkt. Audio-Technica gibt beispielsweise für den AT-LP2022 eine solche Einstellung vor.
Andere Tonarme nutzen abweichende Skalen oder bestimmte Einhängepositionen für ein Gewicht. Deshalb lässt sich die Einstellung nicht unverändert von einem Plattenspieler auf einen anderen übertragen.
Falls eine Feinabstimmung nötig ist, sollte sie in kleinen Schritten erfolgen. Geeignete Testplatten können dabei helfen; ihre Anleitung und die Herstellerhinweise sind zu beachten. Besonders stark ausgesteuerte Prüfrillen bilden jedoch nicht unbedingt die Belastung bei gewöhnlicher Musik ab. Eine ausschließlich darauf optimierte Einstellung kann im normalen Betrieb zu viel Ausgleich erzeugen.
Warum es keinen überall perfekten Wert gibt
Die Skatingkraft bleibt während einer Plattenseite nicht konstant. Sie hängt unter anderem von der Auflagekraft, der Reibung bei der Abtastung, den aufgezeichneten Rillenauslenkungen und der jeweiligen Tonarmstellung ab. Die Einstellung ist deshalb ein praktischer Kompromiss.
Auch der häufig empfohlene Test auf einer glatten, unbespielten Plattenfläche ist keine allgemein verlässliche Kalibrierung. Dort berührt die Nadel die Oberfläche anders als in einer Rille. Hersteller bewerten solche Verfahren unterschiedlich. Aus der Beobachtung, dass der Tonarm auf einer glatten Fläche stillsteht, folgt daher nicht automatisch, dass Antiskating für die Musikwiedergabe richtig eingestellt ist.
Abgrenzung zu Auflagekraft und Azimut
Die Auflagekraft bestimmt, mit welcher Kraft die Nadel nach unten auf die Schallplatte drückt. Antiskating gleicht die seitliche Wirkung der Skatingkraft aus. Der Azimut beschreibt die seitliche Neigung des Tonabnehmers beziehungsweise der Nadel, von vorn betrachtet.
Diese Einstellungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Antiskating ersetzt weder die richtige Auflagekraft noch eine korrekte Ausrichtung des Tonabnehmers.
Antiskating gehört zur sorgfältigen Einstellung eines üblichen Drehtonarms. Es unterstützt eine möglichst gleichmäßige Belastung der Rillenflanken, ohne jede Abtaststörung beseitigen zu können. Für die Praxis zählt ein nachvollziehbarer Ausgangswert nach Herstelleranleitung und eine behutsame Feinabstimmung, falls sie tatsächlich erforderlich ist.


