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Seitenschlag

Als Seitenschlag bezeichnet man bei Schallplatten den seitlichen Rundlauffehler eines nicht korrekt zentrierten Rillenverlaufs. Die Rillen laufen dabei nicht genau um die Drehachse des Plattenspielers. Beim Abspielen bewegt sich der Tonarm deshalb mit jeder Umdrehung leicht nach innen und wieder nach außen. Der technische Begriff dafür ist Exzentrizität.

Eine solche Platte kann vollkommen flach sein und trotzdem hörbar leiern. Seitenschlag und Verwellung sind unterschiedliche Fehler.

Wie entsteht Seitenschlag?

Damit eine Schallplatte korrekt läuft, muss der Mittelpunkt ihrer Rillenspirale mit der Drehachse des Plattentellers zusammenfallen. Das Mittelloch soll diese Zentrierung ermöglichen.

Liegt das Loch gegenüber dem Rillenmittelpunkt versetzt, dreht sich der Rillenverlauf exzentrisch. Solche Abweichungen können bei der Herstellung entstehen. Zusätzlich besitzt das Mittelloch etwas Spiel gegenüber dem Plattendorn. Deshalb kann auch die Position, in der eine Platte aufliegt, den tatsächlichen Rundlauf beeinflussen.

Entscheidend ist der Rillenverlauf: Ein ungleichmäßig zugeschnittener Außenrand oder ein schief aufgeklebtes Etikett beweist für sich genommen noch keinen Seitenschlag der Rillen. DS Audio nutzt zur Messung deshalb die geschlossene Endrille, nicht den Plattenrand.

Warum kann die Musik dadurch leiern?

Bei einer korrekt zentrierten Platte läuft die Rille bei gleichmäßiger Tellerdrehzahl mit weitgehend gleichmäßiger Geschwindigkeit an der Nadel vorbei. Ist der Rillenmittelpunkt versetzt, schwankt diese Geschwindigkeit innerhalb jeder Umdrehung. Dadurch wird die Musik abwechselnd geringfügig schneller und langsamer wiedergegeben – die Tonhöhe steigt und fällt.

Diese langsame Tonhöhenschwankung gehört zu den Erscheinungen, die als Wow bezeichnet werden. Sie kann auch dann auftreten, wenn Motor und Plattenteller ihre Drehzahl zuverlässig halten. Ein präziser Antrieb gleicht eine schlecht zentrierte Schallplatte nicht automatisch aus.

Bei 33⅓ Umdrehungen pro Minute wiederholt sich die Bewegung ungefähr alle 1,8 Sekunden, bei 45 Umdrehungen pro Minute etwa alle 1,33 Sekunden. Diese Zeiten ergeben sich unmittelbar aus der jeweiligen Drehzahl.

Bei gleichem Versatz fällt der relative Geschwindigkeitsfehler in den inneren Rillen stärker aus als weiter außen. Dieser Zusammenhang wird auch in einer Patentschrift zur Erkennung von Schallplattenexzentrizität beschrieben.

Woran erkennst Du Seitenschlag?

Beobachte den Tonabnehmer während der Wiedergabe möglichst von oben. Eine langsame, regelmäßige Bewegung nach innen und außen, die sich mit jeder Plattenumdrehung wiederholt, ist ein typischer Hinweis. Die normale Bewegung des Tonarms zur Plattenmitte verläuft dagegen allmählich.

Achte beim Hören auf länger gehaltene Töne, etwa von Klavier, Orgel oder Streichinstrumenten. Hier kann eine schwankende Tonhöhe leichter auffallen als in rhythmisch dichter Musik. Eine sichtbare Bewegung allein sagt allerdings noch nicht, wie störend der Fehler für Dich hörbar ist.

Für eine erste Eingrenzung kannst Du mehrere Platten vergleichen. Tritt das seitliche Pendeln nur bei einzelnen Exemplaren auf, spricht das für einen Fehler der jeweiligen Platte. Zeigt sich ein ähnliches Verhalten bei vielen Platten, lohnt sich zusätzlich eine Prüfung des Plattenspielers und seiner Zentrierung.

Seitenschlag, Verwellung und Gleichlaufschwankung

Seitenschlag betrifft den seitlichen Rundlauf der Rillen. Der Tonarm bewegt sich regelmäßig nach innen und außen.

Verwellung betrifft die Form der Platte in der Höhe. Die Oberfläche hebt und senkt sich beim Drehen; der Tonarm folgt dieser Bewegung auf und ab.

Gleichlaufschwankung bezeichnet Schwankungen der Wiedergabegeschwindigkeit. Ursachen können im Antrieb liegen; ein exzentrischer Rillenverlauf kann ebenfalls entsprechende Tonhöhenschwankungen erzeugen.

Seitenschlag und Verwellung können gemeinsam auftreten. Eine Platte muss dafür aber nicht beide Fehler besitzen.

Was kannst Du dagegen tun?

Bei einer deutlich betroffenen Neuanschaffung ist eine Reklamation meist der sinnvollste erste Schritt. Auflagekraft und Antiskating korrigieren keinen Zentrierungsfehler. Auch ein Plattengewicht stellt den Rillenmittelpunkt nicht von selbst richtig ein.

Falls das Mittelloch ausreichend Spiel lässt, kann eine vorsichtige Neupositionierung der Platte den Seitenschlag verringern. Solche Versuche sollten bei angehobenem Tonarm und stehendem Teller erfolgen. Anschließend wird erneut geprüft. Die mögliche Verbesserung ist durch das vorhandene Spiel begrenzt.

Spezielle Messgeräte können bei dieser Zentrierung helfen. Auch Plattenspieler mit automatischer Exzentrizitätskorrektur wurden entwickelt. Für den normalen Alltag bleibt das jedoch eine besondere Lösung.

Das Mittelloch eigenständig aufzufeilen ist ein dauerhafter Eingriff und keine allgemeine Pflegeempfehlung. Reinigung oder das Glätten einer verwellten Platte beheben einen versetzten Rillenmittelpunkt ebenfalls nicht.

Seitenschlag bedeutet, dass die Rillen nicht sauber um die Drehachse laufen. Die Folge kann eine regelmäßig schwankende Tonhöhe sein, obwohl der Plattenspieler gleichmäßig dreht. Für die Beurteilung zählen deshalb der tatsächliche Rillenlauf und der Höreindruck – nicht allein ein scheinbar taumelnder Plattenrand.

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