{"id":4475,"date":"2026-08-16T12:55:40","date_gmt":"2026-08-16T10:55:40","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=4475"},"modified":"2026-08-16T13:37:15","modified_gmt":"2026-08-16T11:37:15","slug":"gerda-taro-die-mutige-fotografin-des-spanischen-buergerkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/gerda-taro-die-mutige-fotografin-des-spanischen-buergerkriegs\/","title":{"rendered":"Gerda Taro \u2013 Die mutige Fotografin des Spanischen B\u00fcrgerkriegs"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gerda Taro hatte nur wenig Zeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie im Juli 1937 im Spanischen B&uuml;rgerkrieg ums Leben kam, war sie gerade einmal 26 Jahre alt. Ihre Karriere als Fotografin hatte erst wenige Jahre zuvor begonnen. Trotzdem hinterlie&szlig; sie Bilder, die heute zu den wichtigen fotografischen Dokumenten dieses Krieges geh&ouml;ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch wurde ihre Geschichte lange vor allem zusammen mit einem anderen Namen erz&auml;hlt: <strong>Robert Capa<\/strong>. Das ist zun&auml;chst verst&auml;ndlich. Beide waren ein Paar, arbeiteten gemeinsam und beeinflussten sich gegenseitig. Aber es greift zu kurz. Denn Gerda Taro entwickelte sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit von einer jungen Emigrantin in Paris zu einer eigenst&auml;ndig arbeitenden Fotojournalistin, die schlie&szlig;lich auch ohne Capa fotografische Eins&auml;tze unternahm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer ihre Fotografien betrachtet, entdeckt deshalb nicht einfach einen weniger bekannten Teil der Geschichte Robert Capas. Man entdeckt Gerda Taro.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus Gerta Pohorylle wird Gerda Taro<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geboren wurde sie am 1. August 1910 in Stuttgart als <strong>Gerta Pohorylle<\/strong>. Sie stammte aus einer j&uuml;dischen Familie und lebte sp&auml;ter in Leipzig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die politischen Ver&auml;nderungen in Deutschland griffen unmittelbar in ihr Leben ein. Im M&auml;rz 1933 wurde Pohorylle in Leipzig im Zusammenhang mit antifaschistischen Aktivit&auml;ten verhaftet. Nach ihrer Freilassung verlie&szlig; sie Deutschland noch im selben Jahr und ging nach Paris.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dort begann jener Abschnitt ihres Lebens, der sie schlie&szlig;lich zur Fotografie f&uuml;hrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1934 lernte sie den aus Ungarn stammenden Fotografen <strong>Andr&eacute; Friedmann<\/strong> kennen. Auch er lebte im Exil und versuchte in Paris, als Fotograf Fu&szlig; zu fassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Bekanntschaft wurde eine Liebesbeziehung und zugleich eine berufliche Zusammenarbeit.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"642\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-Anonymous.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12450\" style=\"aspect-ratio:0.778818639115636;width:312px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-Anonymous.jpg 500w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-Anonymous-312x400.jpg 312w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-Anonymous-9x12.jpg 9w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gerda Taro 1937, von Anonym, Bild Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pohorylle k&uuml;mmerte sich unter anderem um die Vermarktung und Beschriftung von Friedmanns Fotografien, w&auml;hrend er ihr fotografische Technik vermittelte. Dabei lernte sie mehr als den Umgang mit einer Kamera. Sie lernte, wie Fotojournalismus funktionierte &ndash; wie Bilder entstanden, wie sie ausgew&auml;hlt und beschriftet wurden und wie sie schlie&szlig;lich ihren Weg in Zeitungen und Magazine fanden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus Andr&eacute; Friedmann wird Robert Capa<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden jungen Emigranten hatten in Paris ein sehr praktisches Problem: Mit Fotografie Geld zu verdienen war schwierig. Ein unbekannter ungarischer Fotograf namens Andr&eacute; Friedmann konnte seine Bilder nicht unbedingt zu den Preisen verkaufen, die er sich erhoffte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also entstand eine neue Identit&auml;t. Aus Andr&eacute; Friedmann wurde <strong>Robert Capa<\/strong> und aus Gerta Pohorylle wurde <strong>Gerda Taro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem Namen Robert Capa stand zun&auml;chst die Idee eines erfolgreichen amerikanischen Fotografen, dessen Bilder entsprechend begehrt und teuer sein m&uuml;ssten. Es war eine bemerkenswerte Form der Selbstvermarktung &ndash; und sie funktionierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Geschichte entwickelte sich bald weiter. Taro arbeitete f&uuml;r die Fotoagentur Alliance Photo und bekam dadurch unmittelbaren Einblick in die professionelle Welt der Pressefotografie. Im Februar 1936 erhielt sie ihren ersten Presseausweis.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"372\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/500px-RobertCapabyGerdaTaro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12224\" style=\"aspect-ratio:1.3441463921813266\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/500px-RobertCapabyGerdaTaro.jpg 500w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/500px-RobertCapabyGerdaTaro-400x298.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/500px-RobertCapabyGerdaTaro-16x12.jpg 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Fotograf Robert Capa w&auml;hrend des Spanischen B&uuml;rgerkriegs, Mai 1937, Foto: Gerda Taro, Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Frau, die zun&auml;chst an der Vermarktung der Fotografien ihres Partners beteiligt war, wurde zunehmend selbst eine Fotografin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam Spanien.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Spanische B&uuml;rgerkrieg wird zum Wendepunkt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juli 1936 begann mit dem Milit&auml;rputsch gegen die spanische Republik der Spanische B&uuml;rgerkrieg. Taro und Capa gingen nach Spanien und berichteten f&uuml;r die internationale Presse &uuml;ber den Krieg. Unter anderem arbeiteten sie f&uuml;r das franz&ouml;sische Magazin <em>Vu<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei waren sie keine politisch unbeteiligten Beobachter. Sie standen der republikanischen und antifaschistischen Seite nahe. Das ist wichtig, wenn wir ihre Fotografien heute betrachten. Denn dokumentarische Fotografie ist nicht automatisch neutrale Fotografie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon die Entscheidung, <strong>wohin Du Deine Kamera richtest<\/strong>, beeinflusst die Geschichte, die ein Bild erz&auml;hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Taro fotografierte republikanische Soldaten und Milizion&auml;rinnen, Fl&uuml;chtlinge, Verwundete, Arbeiter und Zivilisten. Ihre Kamera zeigte den Krieg h&auml;ufig nicht aus sicherer Entfernung. Sie bewegte sich nahe an den Menschen und zunehmend auch nahe am unmittelbaren Kriegsgeschehen. Diese N&auml;he wurde zu einem auff&auml;lligen Merkmal ihrer Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">N&auml;he statt &Uuml;berblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der bekannten Aufnahmen Taros zeigt eine republikanische Milizion&auml;rin beim Training am Strand au&szlig;erhalb Barcelonas im August 1936.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist kein Bild einer gro&szlig;en Schlacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen keine gewaltige &Uuml;bersicht &uuml;ber Truppenbewegungen und keine Inszenierung milit&auml;rischer Macht. Stattdessen konzentriert sich das Bild auf einen einzelnen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das International Center of Photography beschreibt Taros Arbeiten unter anderem durch dynamische Kameraperspektiven sowie eine k&ouml;rperliche und emotionale N&auml;he zu ihren Motiven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese N&auml;he ver&auml;ndert die Wirkung eines Bildes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zerst&ouml;rte Stadt kann Dir das Ausma&szlig; eines Krieges zeigen. Ein einzelner Mensch in dieser zerst&ouml;rten Stadt kann dagegen vermitteln, was dieser Krieg f&uuml;r jemanden bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografie kann beides.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"515\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-RepublicanWoman1936.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12451\" style=\"aspect-ratio:0.9708985768465322;width:344px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-RepublicanWoman1936.jpg 500w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-RepublicanWoman1936-388x400.jpg 388w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gerda_Taro-RepublicanWoman1936-12x12.jpg 12w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Republikanische Frau bei einer milit&auml;rischen &Uuml;bung, Barcelona 1936, Bild Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Taro finden wir immer wieder Bilder, in denen Menschen innerhalb eines gro&szlig;en historischen Ereignisses sichtbar werden: Fl&uuml;chtlinge, Arbeiter, republikanische Soldaten und Milizion&auml;rinnen oder Menschen im Alltag eines vom Krieg gepr&auml;gten Landes. Gerade deshalb lohnt es sich, ihre Fotografien nicht nur als historische Dokumente zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achte einmal darauf, <strong>wo Taro mit ihrer Kamera steht<\/strong>. Wie nah ist sie an den Menschen? Wie viel Umgebung zeigt sie? Blickt sie von au&szlig;en auf eine Situation oder entsteht der Eindruck, dass sie sich mitten darin befindet? Solche Fragen f&uuml;hren weg von der reinen Bildbeschreibung und hin zur fotografischen Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei sollten wir vorsichtig sein, aus ihrem relativ kleinen erhaltenen Werk eine vollkommen geschlossene Stiltheorie abzuleiten. Ihre Karriere war daf&uuml;r schlicht zu kurz. Was wir erkennen k&ouml;nnen, ist eine Entwicklung. Und die f&uuml;hrt zunehmend weg von der gemeinsamen Arbeit mit Capa.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus dem fotografischen Paar wird eine eigenst&auml;ndige Fotojournalistin<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1937 wird f&uuml;r diese Entwicklung besonders wichtig. Taro und Capa arbeiteten weiterhin gemeinsam und dokumentierten unter anderem die Situation spanischer Fl&uuml;chtlinge. Doch Taro begann zunehmend eigene Wege zu gehen. Im Sommer 1937 war sie so selbstst&auml;ndig, dass sie fotografische Eins&auml;tze allein unternahm. Damit ver&auml;ndert sich auch die Art, wie wir ihre Geschichte erz&auml;hlen sollten. Sie war nicht mehr lediglich Teil eines fotografischen Paares.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Gerda Taro y Robert Capa Spanish Civil War English version guerra civil espa&ntilde;ola\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/gPHcZfsW-0c?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie war Fotojournalistin.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt vielleicht nur nach einem kleinen sprachlichen Unterschied. Tats&auml;chlich ist er entscheidend. Denn solange wir Gerda Taro ausschlie&szlig;lich &uuml;ber Robert Capa erkl&auml;ren, betrachten wir ihre Fotografie durch die Biografie eines anderen Fotografen. Ihre Bilder verdienen einen eigenen Blick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet umgekehrt nicht, Capa aus ihrer Geschichte herauszuschreiben. Die gemeinsame Arbeit war ein wichtiger Teil ihrer fotografischen Entwicklung. Interessanter ist gerade, wie sich aus dieser Zusammenarbeit zunehmend zwei fotografische Wege entwickelten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Womit fotografierte Gerda Taro?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Fotografin aus den 1930er-Jahren liegt nat&uuml;rlich auch die Frage nach der Kamera nahe. Bei Gerda Taro ist sie aus einem besonderen Grund interessant: Kameras und Negativformate spielen bis heute eine Rolle bei der Frage, welche Aufnahmen tats&auml;chlich von ihr stammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&uuml;r einen Teil der fr&uuml;hen gemeinsamen Arbeit von Taro und Capa wurde versucht, Fotografien anhand unterschiedlicher Negativformate zuzuordnen: quadratische Aufnahmen einer Rollei Taro, rechteckige Kleinbildnegative einer Leica Capa. Das klingt zun&auml;chst nach einem praktischen fotografischen Fingerabdruck. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zuordnung anhand des Aufnahmeformats wird in der Forschung kritisch diskutiert. Der Fotografiehistoriker Jos&eacute; Manuel Susperregui hat darauf hingewiesen, dass sich das verwendete Aufnahmeformat nicht zuverl&auml;ssig mit der Urheberschaft gleichsetzen l&auml;sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quadratisch bedeutet also nicht automatisch Taro &ndash; und rechteckig nicht automatisch Capa.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade das macht die Sache fotografisch spannend. Normalerweise betrachten wir das Aufnahmeformat vor allem als gestalterische oder technische Eigenschaft. Hier wird es zus&auml;tzlich zu einem historischen Indiz &ndash; allerdings zu einem, das gemeinsam mit anderen Informationen bewertet werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Negative und Bildfolgen, Ver&ouml;ffentlichungen, Beschriftungen und Informationen dar&uuml;ber, wo sich die Fotografen zu einem bestimmten Zeitpunkt befanden, k&ouml;nnen zusammen dabei helfen, eine Aufnahme zuzuordnen. Die Kamera allein kann diese Frage nicht beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit f&uuml;hrt uns die Technik zu einer viel interessanteren Frage.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer hat dieses Foto eigentlich gemacht?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Taro und Capa arbeiteten zeitweise so eng zusammen, dass ihre Fotografien nicht immer sauber voneinander getrennt ver&ouml;ffentlicht wurden. F&uuml;r die Fotografiegeschichte ergibt sich daraus ein bemerkenswertes Problem: Wenn wir heute eine Aufnahme aus dieser Zeit betrachten, ist nicht zwangsl&auml;ufig auf den ersten Blick klar, wer tats&auml;chlich hinter der Kamera stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keineswegs nur eine Frage f&uuml;r Archive. Denn die Urheberschaft beeinflusst unsere Vorstellung von einem fotografischen Werk. Wenn eine Fotografie &uuml;ber Jahrzehnte Robert Capa zugeschrieben wurde und sp&auml;tere Forschungen zu einer anderen Zuordnung kommen, ver&auml;ndert sich das Bild selbst nat&uuml;rlich nicht. Unser Blick darauf kann sich aber sehr wohl ver&auml;ndern. Pl&ouml;tzlich wird es Teil einer anderen fotografischen Biografie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Gerda Taro ist das besonders wichtig. Denn jede belastbar zugeordnete Aufnahme hilft dabei, ihr eigenes fotografisches Werk deutlicher sichtbar zu machen. Und genau an dieser Stelle wird ein ungew&ouml;hnlicher Fund besonders interessant.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der &bdquo;Mexican Suitcase&ldquo; &ndash; 4.500 wiedergefundene Negative<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der sogenannte <strong>&bdquo;Mexican Suitcase&ldquo;<\/strong> geh&ouml;rt zu den bemerkenswertesten Archivfunden der j&uuml;ngeren Fotografiegeschichte. Er umfasst rund 4.500 Negative aus dem Spanischen B&uuml;rgerkrieg von Robert Capa, Gerda Taro und David &bdquo;Chim&ldquo; Seymour.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Negative galten seit 1939 als verschollen. Jahrzehnte sp&auml;ter tauchten sie in Mexiko wieder auf und gelangten 2007 an das International Center of Photography in New York. Der Name ist dabei etwas irref&uuml;hrend. Beim &bdquo;Mexican Suitcase&ldquo; handelt es sich nicht um einen einzelnen Reisekoffer, sondern um drei Beh&auml;ltnisse mit Negativen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&uuml;r die Fotografiegeschichte ist dieser Fund von enormem Wert. Denn Negative erz&auml;hlen mehr als ein einzelner ver&ouml;ffentlichter Abzug. Eine Folge von Aufnahmen kann zeigen, wie fotografisch gearbeitet wurde: Welche Situationen wurden mehrfach aufgenommen? Wie ver&auml;nderte sich der Standort? Welche Bilder entstanden unmittelbar nacheinander? Welche Aufnahme wurde sp&auml;ter ver&ouml;ffentlicht? Im Fall von Taro, Capa und Seymour kam noch eine weitere Frage hinzu:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wer hat welches Bild gemacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung des Materials half dabei, die Urheberschaft zahlreicher Fotografien zu best&auml;tigen oder neu zuzuordnen. Damit wurde aus einem wiedergefundenen Archiv gleichzeitig ein St&uuml;ck fotografischer Detektivarbeit. Der Fund zeigt au&szlig;erdem etwas, das wir beim Betrachten ber&uuml;hmter Fotografien leicht vergessen: Die Geschichte eines Bildes endet nicht mit dem Moment, in dem der Verschluss ausgel&ouml;st wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Negative, Archive, Bildunterschriften, Ver&ouml;ffentlichungen und sp&auml;tere Zuschreibungen beeinflussen, was wir Jahrzehnte sp&auml;ter &uuml;ber ein Foto und seinen Urheber wissen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die letzten Aufnahmen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr&uuml;hjahr und Sommer 1937 arbeitete Taro immer selbstst&auml;ndiger. Sie fotografierte unter anderem in Madrid, an verschiedenen Frontabschnitten und schlie&szlig;lich bei Brunete westlich von Madrid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Aufnahmen zeigen, wie nahe sie inzwischen am Kriegsgeschehen arbeitete. Das sollte man nicht romantisieren. N&auml;he kann in der Fotografie ein starkes gestalterisches und journalistisches Mittel sein. In einem Krieg bedeutet sie zugleich reale Gefahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juli 1937 fotografierte Taro die republikanische Offensive bei Brunete. W&auml;hrend des R&uuml;ckzugs der republikanischen Truppen geriet sie am 25. Juli in das Chaos der Front und wurde von einem republikanischen Panzer schwer verletzt. Am folgenden Tag, dem 26. Juli 1937, starb sie an ihren Verletzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie war 26 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der fr&uuml;he Tod darf die Fotografin nicht &uuml;berdecken<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist verf&uuml;hrerisch, Gerda Taros Geschichte von ihrem Ende her zu erz&auml;hlen. Eine junge Fotografin, der Spanische B&uuml;rgerkrieg, die Front und schlie&szlig;lich ein t&ouml;dlicher Unfall. Das ergibt eine dramatische Geschichte. Aber es wird ihrer Fotografie nicht gerecht. Denn bemerkenswert ist nicht in erster Linie, wie Gerda Taro starb. Bemerkenswert ist, was innerhalb der wenigen Jahre davor geschah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie musste Deutschland verlassen, begann in Paris ein neues Leben, fand ihren Weg in den Fotojournalismus und entwickelte sich innerhalb k&uuml;rzester Zeit zu einer selbstst&auml;ndig arbeitenden Fotografin. Sie tat dies in einer Zeit, in der die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Frauen im professionellen Fotojournalismus erheblich eingeschr&auml;nkter waren als heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das International Center of Photography bezeichnet Taro als eine Pionierin des Fotojournalismus. Ihre Fotografien wurden zu Lebzeiten in der franz&ouml;sischen Presse ver&ouml;ffentlicht, doch ihr Werk stand sp&auml;ter lange im Schatten Robert Capas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollten wir deshalb nicht bei der Legende anfangen. Sondern bei ihren Bildern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was Gerda Taros Fotografie mit unserer eigenen zu tun hat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Spanischen B&uuml;rgerkrieg hat die Fotografie der meisten von uns gl&uuml;cklicherweise wenig zu tun. Mit Gerda Taros Art hinzusehen dagegen schon. Denn ihre Bilder erinnern an etwas, das unabh&auml;ngig von Kamera, Epoche und fotografischem Genre gilt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dein Standort ist Teil Deiner Aussage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell Dir vor, Du fotografierst eine Demonstration. Du kannst Dich weit entfernt aufstellen und die gesamte Menschenmenge zeigen. Dieses Bild vermittelt Gr&ouml;&szlig;e und Dimension.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du kannst Dich aber auch zwischen die Menschen begeben und einzelne Personen fotografieren. Pl&ouml;tzlich geht es nicht mehr um Tausende Teilnehmer. Es geht um einen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Fotografien k&ouml;nnen dasselbe Ereignis zeigen. Beide k&ouml;nnen dokumentarisch sein. Und trotzdem erz&auml;hlen sie unterschiedliche Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/brennweite\/\" target=\"_self\" title=\"Die Brennweite ist ein wichtiger Begriff in der Fotografie und bezieht sich auf die Entfernung zwischen dem Brennpunkt einer Linse und dem Sensor oder Film in einer Kamera. Die Brennweite wird in Millimetern gemessen und gibt an, wie stark die&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Brennweite<\/a> spielt dabei eine Rolle. Ebenso der Bildausschnitt. Vor allem aber hast <strong>Du<\/strong> entschieden, wo Du stehst und wohin Du blickst. Genau deshalb ist fotografische N&auml;he mehr als die Entfernung zwischen Kamera und Motiv. N&auml;he ver&auml;ndert, was wir sehen. Und h&auml;ufig auch, was wir empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet allerdings nicht, dass n&auml;her automatisch besser ist. Manchmal braucht eine Geschichte den &Uuml;berblick. Manchmal braucht sie Distanz. Und manchmal entsteht das entscheidende Bild erst dadurch, dass ein Fotograf einen einzelnen Menschen aus einem gro&szlig;en Geschehen herausl&ouml;st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die interessante Frage lautet deshalb nicht: <strong>Wie nah muss ich heran?<\/strong> Sondern: <strong>Von welchem Standort erz&auml;hle ich die Geschichte, die ich zeigen m&ouml;chte?<\/strong> Das ist eine Frage, die 1937 ebenso zur Fotografie geh&ouml;rte wie heute.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick auf Gerda Taro<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich fasziniert an Gerda Taro weniger das Etikett der &bdquo;mutigen Kriegsfotografin&ldquo;. Nat&uuml;rlich brauchte es Mut, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Aber wenn wir ihre Bedeutung darauf reduzieren, entsteht schnell eine Heldengeschichte. Fotografisch interessanter finde ich ihre Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit ging sie den Weg von einer jungen Emigrantin, die zun&auml;chst an der Vermarktung der Fotografien ihres Partners beteiligt war, zu einer eigenst&auml;ndig arbeitenden Fotojournalistin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau deshalb lohnt es sich, ihre Bilder unabh&auml;ngig von Robert Capa anzusehen. Nicht um Capa kleiner zu machen. Sondern um Taro die fotografische Eigenst&auml;ndigkeit zuzugestehen, die sie sich bereits zu Lebzeiten erarbeitet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Diskussion um ihre Kameras und die Zuordnung der Negative passt f&uuml;r mich dazu. Nat&uuml;rlich ist es interessant zu wissen, mit welcher Kamera eine bestimmte Aufnahme entstand. Noch interessanter ist aber, dass technische Spuren heute dabei helfen k&ouml;nnen, die Menschen hinter historischen Fotografien wieder sichtbar zu machen &ndash; solange wir diese Spuren nicht mit Gewissheiten verwechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kamera ist ein Werkzeug und manchmal ein historischer Hinweis. Das Bild macht am Ende immer der Mensch dahinter.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein kurzes fotografisches Leben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerda Taro konnte kein jahrzehntelanges Lebenswerk hinterlassen. Daf&uuml;r starb sie viel zu fr&uuml;h.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <a href=\"https:\/\/www.icp.org\/exhibitions\/gerda-taro\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>International Center of Photography<\/strong><\/a> besitzt heute nach eigenen Angaben die weltweit mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Sammlung ihrer Arbeiten, darunter ungef&auml;hr 200 Abz&uuml;ge sowie Originalnegative. Ausstellungen, Archivarbeit und die erneute Besch&auml;ftigung mit den erhaltenen Negativen haben dazu beigetragen, ihre Arbeit st&auml;rker als eigenst&auml;ndiges fotografisches Werk wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ver&auml;ndert sich auch das Bild, das wir von ihr haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerda Taro war die Partnerin Robert Capas. Sie arbeitete mit ihm zusammen, und beide beeinflussten einander. Aber sie war eben nicht nur die Frau an seiner Seite. Sie war eine Fotografin, die begonnen hatte, ihren eigenen Standort zu finden &ndash; im &uuml;bertragenen und manchmal erschreckend w&ouml;rtlichen Sinn. Vielleicht ist das der beste Grund, ihre Bilder heute noch anzusehen. Nicht weil Gerda Taro jung starb. Sondern weil sie in ihrem kurzen Leben begonnen hatte, mit der Kamera eine eigene Stimme zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Beitragsbild. Gerda Taro, Republikanische Soldaten am Navacerrada-Pass in Spanien, 1937, Bild Gemeinfrei<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">&Uuml;berarbeiteter Beitrag, Erstver&ouml;ffentlichung 26.07.2023<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\">\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen und weiterf&uuml;hrende Informationen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.icp.org\/exhibitions\/gerda-taro\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">International Center of Photography &ndash; Gerda Taro: Biografie und Archiv<\/a><\/strong><br>Biografische Angaben, Zusammenarbeit mit Robert Capa, Spanischer B&uuml;rgerkrieg, Entwicklung zur eigenst&auml;ndigen Fotojournalistin und Informationen zu Taros letzten Eins&auml;tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.icp.org\/exhibitions\/the-mexican-suitcase-rediscovered-spanish-civil-war-negatives-by-capa-chim-and-taro\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">International Center of Photography &ndash; The Mexican Suitcase<\/a><\/strong><br>Hintergrund zu den rund 4.500 wiederentdeckten Negativen von Gerda Taro, Robert Capa und David &bdquo;Chim&ldquo; Seymour sowie zu deren wissenschaftlicher Aufarbeitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/ojs.uel.br\/revistas\/uel\/index.php\/discursosfotograficos\/article\/view\/13059\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jos&eacute; Manuel Susperregui &ndash; &bdquo;Controversias sobre el cat&aacute;logo razonado de Gerda Taro&ldquo;<\/a><\/strong><br>Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zuordnung von Fotografien Taros und Capas anhand von Kamera- und Negativformaten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterf&uuml;hrend:<\/strong><br>F&uuml;r die Besch&auml;ftigung mit Gerda Taro lohnt sich besonders das digitale Archiv des <a href=\"https:\/\/www.icp.org\/exhibitions\/gerda-taro\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">International Center of Photography<\/a>. Dort lassen sich Fotografien nicht nur betrachten, sondern teilweise auch mit Datierung, Entstehungsort und weiteren Informationen in ihren historischen Zusammenhang einordnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">&Uuml;berarbeiteter Beitrag, Erstver&ouml;ffentlichung 26.07.2023<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerda Taro hatte nur wenig Zeit. Als sie im Juli 1937 im Spanischen B\u00fcrgerkrieg ums Leben kam, war sie gerade einmal 26 Jahre alt. Ihre Karriere als Fotografin hatte erst wenige Jahre zuvor begonnen. Trotzdem hinterlie\u00df sie Bilder, die heute zu den wichtigen fotografischen Dokumenten dieses Krieges geh\u00f6ren. Und doch wurde ihre Geschichte lange vor allem zusammen mit einem anderen Namen erz\u00e4hlt: Robert Capa. Das ist zun\u00e4chst verst\u00e4ndlich. Beide waren ein Paar, arbeiteten gemeinsam und beeinflussten sich gegenseitig. Aber es greift zu kurz. Denn Gerda Taro entwickelte sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit von einer jungen Emigrantin in Paris zu einer eigenst\u00e4ndig arbeitenden Fotojournalistin, die schlie\u00dflich auch ohne Capa fotografische Eins\u00e4tze unternahm. Wer ihre Fotografien betrachtet, entdeckt deshalb nicht einfach einen weniger bekannten Teil der Geschichte Robert Capas. Man entdeckt Gerda Taro. Aus Gerta Pohorylle wird Gerda Taro Geboren wurde sie am 1. August 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle. Sie stammte aus einer j\u00fcdischen Familie und lebte sp\u00e4ter in Leipzig. Die politischen Ver\u00e4nderungen in Deutschland griffen unmittelbar in ihr Leben ein. Im M\u00e4rz 1933 wurde Pohorylle in Leipzig im Zusammenhang mit antifaschistischen Aktivit\u00e4ten verhaftet. Nach ihrer Freilassung verlie\u00df sie Deutschland noch im selben Jahr und ging nach Paris. Dort begann jener Abschnitt ihres Lebens, der sie schlie\u00dflich zur Fotografie f\u00fchrte. 1934 lernte sie den aus Ungarn stammenden Fotografen Andr\u00e9 Friedmann kennen. Auch er lebte im Exil und versuchte in Paris, als Fotograf Fu\u00df zu fassen. Aus der Bekanntschaft wurde eine Liebesbeziehung und zugleich eine berufliche Zusammenarbeit. Pohorylle k\u00fcmmerte sich unter anderem um die Vermarktung und Beschriftung von Friedmanns Fotografien, w\u00e4hrend er ihr fotografische Technik vermittelte. Dabei lernte sie mehr als den Umgang mit einer Kamera. Sie lernte, wie Fotojournalismus funktionierte \u2013 wie Bilder entstanden, wie sie ausgew\u00e4hlt und beschriftet wurden und wie sie schlie\u00dflich ihren Weg in Zeitungen und Magazine fanden. Aus Andr\u00e9 Friedmann wird Robert Capa Die beiden jungen Emigranten hatten in Paris ein sehr praktisches Problem: Mit Fotografie Geld zu verdienen war schwierig. Ein unbekannter ungarischer Fotograf namens Andr\u00e9 Friedmann konnte seine Bilder nicht unbedingt zu den Preisen verkaufen, die er sich erhoffte. Also entstand eine neue Identit\u00e4t. Aus Andr\u00e9 Friedmann wurde Robert Capa und aus Gerta Pohorylle wurde Gerda Taro. Hinter dem Namen Robert Capa stand zun\u00e4chst die Idee eines erfolgreichen amerikanischen Fotografen, dessen Bilder entsprechend begehrt und teuer sein m\u00fcssten. Es war eine bemerkenswerte Form der Selbstvermarktung \u2013 und sie funktionierte. Doch die Geschichte entwickelte sich bald weiter. Taro arbeitete f\u00fcr die Fotoagentur Alliance Photo und bekam dadurch unmittelbaren Einblick in die professionelle Welt der Pressefotografie. Im Februar 1936 erhielt sie ihren ersten Presseausweis. Aus der Frau, die zun\u00e4chst an der Vermarktung der Fotografien ihres Partners beteiligt war, wurde zunehmend selbst eine Fotografin. Dann kam Spanien. Der Spanische B\u00fcrgerkrieg wird zum Wendepunkt Im Juli 1936 begann mit dem Milit\u00e4rputsch gegen die spanische Republik der Spanische B\u00fcrgerkrieg. Taro und Capa gingen nach Spanien und berichteten f\u00fcr die internationale Presse \u00fcber den Krieg. Unter anderem arbeiteten sie f\u00fcr das franz\u00f6sische Magazin Vu. Dabei waren sie keine politisch unbeteiligten Beobachter. Sie standen der republikanischen und antifaschistischen Seite nahe. Das ist wichtig, wenn wir ihre Fotografien heute betrachten. Denn dokumentarische Fotografie ist nicht automatisch neutrale Fotografie. Schon die Entscheidung, wohin Du Deine Kamera richtest, beeinflusst die Geschichte, die ein Bild erz\u00e4hlt. Taro fotografierte republikanische Soldaten und Milizion\u00e4rinnen, Fl\u00fcchtlinge, Verwundete, Arbeiter und Zivilisten. Ihre Kamera zeigte den Krieg h\u00e4ufig nicht aus sicherer Entfernung. Sie bewegte sich nahe an den Menschen und zunehmend auch nahe am unmittelbaren Kriegsgeschehen. Diese N\u00e4he wurde zu einem auff\u00e4lligen Merkmal ihrer Arbeit. N\u00e4he statt \u00dcberblick Eine der bekannten Aufnahmen Taros zeigt eine republikanische Milizion\u00e4rin beim Training am Strand au\u00dferhalb Barcelonas im August 1936. Es ist kein Bild einer gro\u00dfen Schlacht. Wir sehen keine gewaltige \u00dcbersicht \u00fcber Truppenbewegungen und keine Inszenierung milit\u00e4rischer Macht. Stattdessen konzentriert sich das Bild auf einen einzelnen Menschen. Das International Center of Photography beschreibt Taros Arbeiten unter anderem durch dynamische Kameraperspektiven sowie eine k\u00f6rperliche und emotionale N\u00e4he zu ihren Motiven. Diese N\u00e4he ver\u00e4ndert die Wirkung eines Bildes. Eine zerst\u00f6rte Stadt kann Dir das Ausma\u00df eines Krieges zeigen. Ein einzelner Mensch in dieser zerst\u00f6rten Stadt kann dagegen vermitteln, was dieser Krieg f\u00fcr jemanden bedeutet. Fotografie kann beides. Bei Taro finden wir immer wieder Bilder, in denen Menschen innerhalb eines gro\u00dfen historischen Ereignisses sichtbar werden: Fl\u00fcchtlinge, Arbeiter, republikanische Soldaten und Milizion\u00e4rinnen oder Menschen im Alltag eines vom Krieg gepr\u00e4gten Landes. Gerade deshalb lohnt es sich, ihre Fotografien nicht nur als historische Dokumente zu betrachten. Achte einmal darauf, wo Taro mit ihrer Kamera steht. Wie nah ist sie an den Menschen? Wie viel Umgebung zeigt sie? Blickt sie von au\u00dfen auf eine Situation oder entsteht der Eindruck, dass sie sich mitten darin befindet? Solche Fragen f\u00fchren weg von der reinen Bildbeschreibung und hin zur fotografischen Entscheidung. Dabei sollten wir vorsichtig sein, aus ihrem relativ kleinen erhaltenen Werk eine vollkommen geschlossene Stiltheorie abzuleiten. Ihre Karriere war daf\u00fcr schlicht zu kurz. Was wir erkennen k\u00f6nnen, ist eine Entwicklung. Und die f\u00fchrt zunehmend weg von der gemeinsamen Arbeit mit Capa. Aus dem fotografischen Paar wird eine eigenst\u00e4ndige Fotojournalistin 1937 wird f\u00fcr diese Entwicklung besonders wichtig. Taro und Capa arbeiteten weiterhin gemeinsam und dokumentierten unter anderem die Situation spanischer Fl\u00fcchtlinge. Doch Taro begann zunehmend eigene Wege zu gehen. Im Sommer 1937 war sie so selbstst\u00e4ndig, dass sie fotografische Eins\u00e4tze allein unternahm. Damit ver\u00e4ndert sich auch die Art, wie wir ihre Geschichte erz\u00e4hlen sollten. Sie war nicht mehr lediglich Teil eines fotografischen Paares. Sie war Fotojournalistin. Das klingt vielleicht nur nach einem kleinen sprachlichen Unterschied. Tats\u00e4chlich ist er entscheidend. Denn solange wir Gerda Taro ausschlie\u00dflich \u00fcber Robert Capa erkl\u00e4ren, betrachten wir ihre Fotografie durch die Biografie eines anderen Fotografen. Ihre Bilder verdienen einen eigenen Blick. Das bedeutet umgekehrt nicht, Capa aus ihrer Geschichte herauszuschreiben. Die gemeinsame Arbeit war ein wichtiger Teil ihrer fotografischen Entwicklung. Interessanter ist gerade, wie sich aus dieser Zusammenarbeit zunehmend zwei fotografische Wege entwickelten. Womit fotografierte Gerda Taro? Bei einer Fotografin aus den 1930er-Jahren liegt nat\u00fcrlich auch die Frage nach der Kamera nahe. Bei Gerda Taro ist sie aus einem besonderen Grund interessant: Kameras und Negativformate spielen bis heute eine Rolle bei der Frage, welche Aufnahmen tats\u00e4chlich von ihr stammen. F\u00fcr einen Teil der fr\u00fchen gemeinsamen Arbeit von Taro und Capa wurde versucht, Fotografien anhand unterschiedlicher Negativformate zuzuordnen: quadratische Aufnahmen einer Rollei Taro, rechteckige Kleinbildnegative einer Leica Capa. Das klingt zun\u00e4chst nach einem praktischen fotografischen Fingerabdruck. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die Zuordnung anhand des Aufnahmeformats wird in der Forschung kritisch diskutiert. Der Fotografiehistoriker Jos\u00e9 Manuel Susperregui hat darauf hingewiesen, dass sich das verwendete Aufnahmeformat nicht zuverl\u00e4ssig mit der Urheberschaft gleichsetzen l\u00e4sst. Quadratisch bedeutet also nicht automatisch Taro \u2013 und rechteckig nicht automatisch Capa. Gerade das macht die Sache fotografisch spannend. Normalerweise betrachten wir das Aufnahmeformat vor allem als gestalterische oder technische Eigenschaft. Hier wird es zus\u00e4tzlich zu einem historischen Indiz \u2013 allerdings zu einem, das gemeinsam mit anderen Informationen bewertet werden muss. Negative und Bildfolgen, Ver\u00f6ffentlichungen, Beschriftungen und Informationen dar\u00fcber, wo sich die Fotografen zu einem bestimmten Zeitpunkt befanden, k\u00f6nnen zusammen dabei helfen, eine Aufnahme zuzuordnen. Die Kamera allein kann diese Frage nicht beantworten. Und damit f\u00fchrt uns die Technik zu einer viel interessanteren Frage. Wer hat dieses Foto eigentlich gemacht? Taro und Capa arbeiteten zeitweise so eng zusammen, dass ihre Fotografien nicht immer sauber voneinander getrennt ver\u00f6ffentlicht wurden. F\u00fcr die Fotografiegeschichte ergibt sich daraus ein bemerkenswertes Problem: Wenn wir heute eine Aufnahme aus dieser Zeit betrachten, ist nicht zwangsl\u00e4ufig auf den ersten Blick klar, wer tats\u00e4chlich hinter der Kamera stand. Das ist keineswegs nur eine Frage f\u00fcr Archive. Denn die Urheberschaft beeinflusst unsere Vorstellung von einem fotografischen Werk. Wenn eine Fotografie \u00fcber Jahrzehnte Robert Capa zugeschrieben wurde und sp\u00e4tere Forschungen zu einer anderen Zuordnung kommen, ver\u00e4ndert sich das Bild selbst nat\u00fcrlich nicht. Unser Blick darauf kann sich aber sehr wohl ver\u00e4ndern. Pl\u00f6tzlich wird es Teil einer anderen fotografischen Biografie. Bei Gerda Taro ist das besonders wichtig. Denn jede belastbar zugeordnete Aufnahme hilft dabei, ihr eigenes fotografisches Werk deutlicher sichtbar zu machen. Und genau an dieser Stelle wird ein ungew\u00f6hnlicher Fund besonders interessant. Der \u201eMexican Suitcase\u201c \u2013 4.500 wiedergefundene Negative Der sogenannte \u201eMexican Suitcase\u201c geh\u00f6rt zu den bemerkenswertesten Archivfunden der j\u00fcngeren Fotografiegeschichte. Er umfasst rund 4.500 Negative aus dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg von Robert Capa, Gerda Taro und David \u201eChim\u201c Seymour. Die Negative galten seit 1939 als verschollen. Jahrzehnte sp\u00e4ter tauchten sie in Mexiko wieder auf und gelangten 2007 an das International Center of Photography in New York. Der Name ist dabei etwas irref\u00fchrend. Beim \u201eMexican Suitcase\u201c handelt es sich nicht um einen einzelnen Reisekoffer, sondern um drei Beh\u00e4ltnisse mit Negativen. F\u00fcr die Fotografiegeschichte ist dieser Fund von enormem Wert. Denn Negative erz\u00e4hlen mehr als ein einzelner ver\u00f6ffentlichter Abzug. Eine Folge von Aufnahmen kann zeigen, wie fotografisch gearbeitet wurde: Welche Situationen wurden mehrfach aufgenommen? Wie ver\u00e4nderte sich der Standort? Welche Bilder entstanden unmittelbar nacheinander? Welche Aufnahme wurde sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht? Im Fall von Taro, Capa und Seymour kam noch eine weitere Frage hinzu: Wer hat welches Bild gemacht? Die Untersuchung des Materials half dabei, die Urheberschaft zahlreicher Fotografien zu best\u00e4tigen oder neu zuzuordnen. Damit wurde aus einem wiedergefundenen Archiv gleichzeitig ein St\u00fcck fotografischer Detektivarbeit. Der Fund zeigt au\u00dferdem etwas, das wir beim Betrachten ber\u00fchmter Fotografien leicht vergessen: Die Geschichte eines Bildes endet nicht mit dem Moment, in dem der Verschluss ausgel\u00f6st wird. Negative, Archive, Bildunterschriften, Ver\u00f6ffentlichungen und sp\u00e4tere Zuschreibungen beeinflussen, was wir Jahrzehnte sp\u00e4ter \u00fcber ein Foto und seinen Urheber wissen. Die letzten Aufnahmen Im Fr\u00fchjahr und Sommer 1937 arbeitete Taro immer selbstst\u00e4ndiger. Sie fotografierte unter anderem in Madrid, an verschiedenen Frontabschnitten und schlie\u00dflich bei Brunete westlich von Madrid. Ihre Aufnahmen zeigen, wie nahe sie inzwischen am Kriegsgeschehen arbeitete. Das sollte man nicht romantisieren. N\u00e4he kann in der Fotografie ein starkes gestalterisches und journalistisches Mittel sein. In einem Krieg bedeutet sie zugleich reale Gefahr. Im Juli 1937 fotografierte Taro die republikanische Offensive bei Brunete. W\u00e4hrend des R\u00fcckzugs der republikanischen Truppen geriet sie am 25. Juli in das Chaos der Front und wurde von einem republikanischen Panzer schwer verletzt. Am folgenden Tag, dem 26. Juli 1937, starb sie an ihren Verletzungen. Sie war 26 Jahre alt. Der fr\u00fche Tod darf die Fotografin nicht \u00fcberdecken Es ist verf\u00fchrerisch, Gerda Taros Geschichte von ihrem Ende her zu erz\u00e4hlen. Eine junge Fotografin, der Spanische B\u00fcrgerkrieg, die Front und schlie\u00dflich ein t\u00f6dlicher Unfall. Das ergibt eine dramatische Geschichte. Aber es wird ihrer Fotografie nicht gerecht. Denn bemerkenswert ist nicht in erster Linie, wie Gerda Taro starb. Bemerkenswert ist, was innerhalb der wenigen Jahre davor geschah. Sie musste Deutschland verlassen, begann in Paris ein neues Leben, fand ihren Weg in den Fotojournalismus und entwickelte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu einer selbstst\u00e4ndig arbeitenden Fotografin. Sie tat dies in einer Zeit, in der die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen im professionellen Fotojournalismus erheblich eingeschr\u00e4nkter waren als heute. Das International Center of Photography bezeichnet Taro als eine Pionierin des Fotojournalismus. Ihre Fotografien wurden zu Lebzeiten in der franz\u00f6sischen Presse ver\u00f6ffentlicht, doch ihr Werk stand sp\u00e4ter lange im Schatten Robert Capas. Vielleicht sollten wir deshalb nicht bei der Legende anfangen. Sondern bei ihren Bildern. Was Gerda Taros Fotografie mit unserer eigenen zu tun hat Mit dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg hat die Fotografie der meisten von uns gl\u00fccklicherweise wenig zu tun. Mit Gerda Taros Art hinzusehen dagegen schon. Denn ihre Bilder erinnern an etwas, das unabh\u00e4ngig von Kamera, Epoche und fotografischem Genre gilt: Dein Standort ist Teil Deiner Aussage. Stell Dir vor, Du fotografierst eine Demonstration. Du kannst Dich weit entfernt aufstellen und die gesamte Menschenmenge zeigen. Dieses Bild vermittelt Gr\u00f6\u00dfe und Dimension. Du kannst Dich aber auch zwischen die Menschen begeben und einzelne Personen fotografieren. Pl\u00f6tzlich geht es nicht mehr um Tausende Teilnehmer. Es geht um einen Menschen. Beide Fotografien k\u00f6nnen dasselbe Ereignis zeigen. Beide k\u00f6nnen dokumentarisch sein. Und trotzdem erz\u00e4hlen sie unterschiedliche Geschichten. Die Brennweite spielt dabei eine Rolle. Ebenso der Bildausschnitt. Vor allem aber hast Du entschieden, wo Du stehst und wohin Du blickst. Genau deshalb ist fotografische N\u00e4he mehr als die Entfernung zwischen Kamera und Motiv. N\u00e4he ver\u00e4ndert, was wir sehen. Und h\u00e4ufig auch, was wir empfinden. 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