{"id":3088,"date":"2026-08-22T14:41:53","date_gmt":"2026-08-22T12:41:53","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=3088"},"modified":"2026-08-22T14:59:07","modified_gmt":"2026-08-22T12:59:07","slug":"nassplattenfotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/nassplattenfotografie\/","title":{"rendered":"Nassplattenfotografie \u2013 als Fotografieren noch eine Dunkelkammer brauchte"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell dir vor, du m&ouml;chtest unterwegs ein Landschaftsfoto machen. Kamera aufstellen, Bild gestalten, belichten &ndash; und weiter geht es.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der zweiten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts konnte daraus ein deutlich gr&ouml;&szlig;eres Unternehmen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer mit dem Nasskollodiumverfahren fotografierte, brauchte nicht nur Kamera, <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/objektiv\/\" target=\"_self\" title=\"Mehr als nur das Auge der Kamera Wenn &uuml;ber Kameras gesprochen wird, dreht sich vieles um Sensoren, Megapixel, Autofokus oder Serienbildgeschwindigkeit. Dabei entsteht das Bild schon ein gutes St&uuml;ck vorher: im Objektiv. Das Objektiv sammelt das Licht eines Motivs und&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Objektiv<\/a> und Glasplatten. Die Platte musste unmittelbar vor der Aufnahme lichtempfindlich gemacht und anschlie&szlig;end noch im feuchten Zustand belichtet und entwickelt werden. Wer au&szlig;erhalb des Ateliers fotografierte, nahm deshalb praktisch seine Dunkelkammer mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt aus heutiger Sicht ausgesprochen umst&auml;ndlich. Und das war es auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem war das Nassplattenverfahren ein wichtiger Fortschritt in der Geschichte der Fotografie. Es erm&ouml;glichte detailreiche Negative auf Glas, vergleichsweise kurze Belichtungszeiten und davon wiederum eine beliebige Zahl von Papierabz&uuml;gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schauen wir uns also an, warum Fotografen diesen Aufwand auf sich nahmen &ndash; und wie aus einer einfachen Glasplatte ein Foto wurde.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum &uuml;berhaupt eine nasse Glasplatte?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nasskollodiumverfahren wurde 1851 von Frederick Scott Archer ver&ouml;ffentlicht und verbreitete sich anschlie&szlig;end schnell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein gro&szlig;er Vorteil lag im Glasnegativ. Im Gegensatz zum Papiernegativ war Glas transparent und besa&szlig; keine Papierstruktur, die sich st&ouml;rend auf die Wiedergabe feinster Details auswirken konnte. Dadurch entstanden Negative mit einer f&uuml;r damalige Verh&auml;ltnisse beeindruckenden Detailzeichnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig waren die erforderlichen Belichtungszeiten erheblich k&uuml;rzer als bei vielen &auml;lteren Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nasskollodiumverfahren verband damit zwei wichtige Eigenschaften: hohe <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/bildqualitaet\/\" target=\"_self\" title=\"Die Bildqualit&auml;t in der Fotografie h&auml;ngt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Aufl&ouml;sung der Kamera, die Gr&ouml;&szlig;e des Bildsensors, die Qualit&auml;t der verwendeten Objektive, die Belichtungseinstellungen, die Sch&auml;rfe und Farbgenauigkeit sowie die Post-Processing-Techniken. Eine h&ouml;here Aufl&ouml;sung bedeutet im Allgemeinen eine&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Bildqualit&auml;t<\/a> und die M&ouml;glichkeit, von einem Negativ mehrere Papierabz&uuml;ge anzufertigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preis daf&uuml;r war allerdings eine ziemlich unbequeme Arbeitsweise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn die Platte durfte w&auml;hrend Aufnahme und Entwicklung nicht trocknen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der entscheidende Wettlauf gegen die Zeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name &bdquo;Nassplattenfotografie&ldquo; beschreibt das eigentliche Problem schon ziemlich gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Glasplatte wurde mit Kollodium beschichtet. Kollodium besteht im fotografischen Zusammenhang aus Nitrocellulose, die in einem Gemisch aus Ether und Alkohol gel&ouml;st wird. Der L&ouml;sung wurden Salze zugesetzt, beispielsweise Iodide und Bromide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Schicht allein war allerdings noch nicht ausreichend lichtempfindlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu musste die beschichtete Platte in ein Silbernitratbad gebracht werden. Dabei entstanden in der Kollodiumschicht lichtempfindliche Silberhalogenide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nun begann der Wettlauf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange die Schicht noch feucht war, musste die Platte in einen lichtdichten Plattenhalter eingesetzt, zur Kamera gebracht, belichtet und anschlie&szlig;end wieder entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trocknete das Kollodium vorher, funktionierte das Verfahren nicht mehr wie vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb geh&ouml;rte zu einer Fotoausr&uuml;stung f&uuml;r Au&szlig;enaufnahmen h&auml;ufig auch ein Dunkelkammerzelt oder ein entsprechend ausger&uuml;steter Wagen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Glasplatte zum Negativ<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Ablauf l&auml;sst sich in einige Schritte unterteilen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Glasplatte wird beschichtet<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun&auml;chst musste eine sorgf&auml;ltig gereinigte Glasplatte gleichm&auml;&szlig;ig mit Kollodium &uuml;berzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu wurde die L&ouml;sung auf die Platte gegossen und durch vorsichtiges Neigen &uuml;ber die gesamte Oberfl&auml;che verteilt. &Uuml;bersch&uuml;ssiges Kollodium lie&szlig; man wieder ablaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon dieser Arbeitsschritt erforderte etwas &Uuml;bung. Eine ungleichm&auml;&szlig;ige Schicht, Staub oder Verunreinigungen konnten sp&auml;ter im Bild sichtbar werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die Platte wird lichtempfindlich<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die noch feuchte Platte kam anschlie&szlig;end unter geeigneten Dunkelkammerbedingungen in ein Silbernitratbad.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei reagierten die im Kollodium enthaltenen Halogenidsalze mit dem Silbernitrat. In der Schicht entstanden lichtempfindliche Silberhalogenide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst jetzt war aus der beschichteten Glasplatte tats&auml;chlich ein fotografisches Aufnahmematerial geworden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Ab in den Plattenhalter<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sensibilisierte Platte wurde in einen lichtdichten Halter eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser lie&szlig; sich anschlie&szlig;end zur Kamera transportieren. Dort wurde der Plattenhalter eingesetzt und der Dunkelschieber herausgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit war die Platte aufnahmebereit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel Zeit f&uuml;r &Uuml;berlegungen blieb allerdings nicht: Die Beschichtung sollte weiterhin feucht bleiben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Belichtung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute w&auml;hlen wir <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/iso\/\" target=\"_self\" title=\"Was der ISO-Wert wirklich bedeutet ISO 100, ISO 800, ISO 3200 &ndash; kaum eine Kamera kommt ohne diese Zahlen aus. Besonders praktisch wird ISO immer dann, wenn das vorhandene Licht knapp wird: Du erh&ouml;hst den Wert und kannst pl&ouml;tzlich mit&hellip;\" class=\"encyclopedia\">ISO<\/a>, <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/blende\/\" target=\"_self\" title=\"Was sie ist und warum sie f&uuml;r Deine Fotos so wichtig ist Die Blende geh&ouml;rt zu den grundlegenden Werkzeugen der Fotografie. Trotzdem wirkt sie am Anfang gern ein wenig widerspr&uuml;chlich: Eine kleine Blendenzahl bedeutet eine gro&szlig;e &Ouml;ffnung, eine gro&szlig;e Blendenzahl&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Blende<\/a> und <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtungszeit\/\" target=\"_self\" title=\"Die Belichtungszeit ist ein wichtiger Parameter in der Fotografie und bezieht sich auf die Dauer, in der der Verschluss der Kamera ge&ouml;ffnet bleibt, um Licht auf den Film oder den Sensor zu lassen. Sie wird in Sekunden oder Bruchteilen davon&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtungszeit<\/a> und k&ouml;nnen das Ergebnis im Zweifelsfall sofort auf dem Display kontrollieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Nassplatte war das wesentlich schwieriger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Lichtempfindlichkeit war gering und zudem stark vom Spektrum des Lichts abh&auml;ngig. <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtungsmesser\/\" target=\"_self\" title=\"Wie die Kamera das Licht misst Du richtest die Kamera auf eine verschneite Landschaft, &uuml;berl&auml;sst ihr die Belichtung &ndash; und der eigentlich wei&szlig;e Schnee wirkt auf dem Foto pl&ouml;tzlich grau. Bei einem schwarzen Motiv kann genau das Gegenteil passieren: Die&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtungsmesser<\/a> gab es nat&uuml;rlich ebenfalls nicht. Erfahrung spielte deshalb eine entscheidende Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je nach Licht, Objektiv, Rezeptur und Motiv konnten Belichtungszeiten von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten erforderlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei vielen damaligen Kameras gab es noch keinen Verschluss im heutigen Sinn. Die <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtung\/\" target=\"_self\" title=\"Belichtung geh&ouml;rt zu den Begriffen, an denen in der Fotografie kein Weg vorbeif&uuml;hrt. Denn unabh&auml;ngig davon, ob Du mit einer modernen Systemkamera, einer analogen Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone fotografierst: Am Anfang eines Fotos steht immer Licht. Dabei geht es bei&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtung<\/a> konnte schlicht dadurch gestartet werden, dass der Objektivdeckel abgenommen wurde. Anschlie&szlig;end kam der Deckel wieder auf das Objektiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach wurde der Dunkelschieber geschlossen und die Platte m&ouml;glichst schnell zur&uuml;ck in die Dunkelkammer gebracht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure data-wp-context='{\"imageId\":\"6ac359f37e7a6\"}' data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6ac359f37e7a6\" class=\"wp-block-image size-full wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--pointerdown=\"actions.preloadImage\" data-wp-on--pointerenter=\"actions.preloadImageWithDelay\" data-wp-on--pointerleave=\"actions.cancelPreload\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12696\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web.jpg 1536w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web-400x267.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web-768x512.jpg 768w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web-18x12.jpg 18w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie2-Web-1140x760.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\"><button class=\"lightbox-trigger\" type=\"button\" aria-haspopup=\"dialog\" data-wp-bind--aria-label=\"state.thisImage.triggerButtonAriaLabel\" data-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-style--right=\"state.thisImage.buttonRight\" data-wp-style--top=\"state.thisImage.buttonTop\">\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewbox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\"><\/path>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jetzt musste das Bild sichtbar werden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Belichtung befand sich auf der Platte zun&auml;chst ein latentes, also noch nicht unmittelbar sichtbares Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Entwicklung wurde ein Entwickler &uuml;ber die Oberfl&auml;che gegossen. Beim Nasskollodiumverfahren kamen typischerweise Entwickler auf Basis von Eisensulfat zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dort, wo w&auml;hrend der Aufnahme Licht auf die lichtempfindliche Schicht getroffen hatte, entstand bei der Entwicklung metallisches Silber. Allm&auml;hlich erschien das negative Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War die Entwicklung weit genug fortgeschritten, wurde sie durch Absp&uuml;len mit Wasser beendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Entscheidende dabei: Auch dieser Arbeitsschritt musste erfolgen, solange die Kollodiumschicht noch feucht war.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fixieren, waschen und sch&uuml;tzen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Entwicklung befanden sich weiterhin unbelichtete Silberhalogenide in der Schicht. Sie mussten entfernt werden, damit das Bild bei weiterem Lichteinfall nicht nachdunkelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu wurde die Platte fixiert. Als Fixiermittel konnte beispielsweise Natriumthiosulfat verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie&szlig;end wurde gr&uuml;ndlich gew&auml;ssert und die Platte getrocknet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fertige Negativ war jedoch noch empfindlich. Deshalb konnte die Bildschicht abschlie&szlig;end mit einem Schutzlack &uuml;berzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun lag tats&auml;chlich ein haltbares Glasnegativ vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und gerade dieses Negativ war eine der gro&szlig;en St&auml;rken des Verfahrens.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Glasnegativ zum Papierbild<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Negativ allein h&auml;ngt man sich normalerweise nicht an die Wand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine typische Kombination des 19. Jahrhunderts war deshalb das Kollodium-Glasnegativ zusammen mit einem <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/albuminpapier\/\" target=\"_self\" title=\"Albuminpapier war das bedeutendste fotografische Kopierpapier des 19. Jahrhunderts und pr&auml;gte die Entwicklung der Fotografie &uuml;ber mehrere Jahrzehnte. Zwischen etwa 1850 und 1900 entstanden Millionen von Fotografien auf diesem Material &ndash; von Portr&auml;ts &uuml;ber Landschaftsaufnahmen bis hin zu den ber&uuml;hmten&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Albuminpapier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Albumin ist Eiwei&szlig;. Das Papier erhielt damit eine glatte Beschichtung, die nach entsprechender Sensibilisierung lichtempfindliche Silbersalze enthielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Kopieren wurde das Glasnegativ direkt auf das fotografische Papier gelegt und in einen Kopierrahmen eingespannt. Anschlie&szlig;end wurde es dem Tages- beziehungsweise Sonnenlicht ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelte sich also um einen Kontaktabzug: Das Papierbild war genauso gro&szlig; wie das verwendete Negativ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ausreichender Belichtung wurde der Abzug weiterverarbeitet, fixiert und gr&uuml;ndlich gewaschen. H&auml;ufig wurden Albuminabz&uuml;ge zus&auml;tzlich getont, beispielsweise mit Goldchlorid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So entstand aus der vor Ort belichteten Glasplatte schlie&szlig;lich das eigentliche Papierfoto.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure data-wp-context='{\"imageId\":\"6ac359f37f0ea\"}' data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6ac359f37f0ea\" class=\"wp-block-image size-full wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--pointerdown=\"actions.preloadImage\" data-wp-on--pointerenter=\"actions.preloadImageWithDelay\" data-wp-on--pointerleave=\"actions.cancelPreload\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12697\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web.jpg 1536w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web-400x267.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web-768x512.jpg 768w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web-18x12.jpg 18w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Nassplattenfotografie3-Web-1140x760.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\"><button class=\"lightbox-trigger\" type=\"button\" aria-haspopup=\"dialog\" data-wp-bind--aria-label=\"state.thisImage.triggerButtonAriaLabel\" data-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-style--right=\"state.thisImage.buttonRight\" data-wp-style--top=\"state.thisImage.buttonTop\">\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewbox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\"><\/path>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum tat man sich das alles an?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus heutiger Sicht k&ouml;nnte man sich durchaus fragen, warum Fotografen freiwillig mit Glasplatten, Silbernitrat, Kollodium und einer mobilen Dunkelkammer durch die Landschaft zogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort ist einfach: Weil die Ergebnisse den Aufwand wert waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nasskollodiumverfahren lieferte sehr detailreiche Negative. Gegen&uuml;ber &auml;lteren Papiernegativen war die Detailwiedergabe erheblich besser, und gleichzeitig lie&szlig;en sich von einem Glasnegativ viele Papierabz&uuml;ge herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verfahren setzte sich deshalb in den 1850er-Jahren schnell durch und wurde f&uuml;r einige Jahrzehnte zu einem der wichtigsten fotografischen Negativverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine gr&ouml;&szlig;te Schw&auml;che steckte allerdings bereits im Namen: Die Platte musste nass verarbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Gelatine-Trockenplatten verf&uuml;gbar wurden, &auml;nderte sich die fotografische Praxis grundlegend. Fotografen konnten vorbereitete Platten mitnehmen, belichten und erst sp&auml;ter entwickeln. Die Dunkelkammer musste nicht mehr bei jeder Au&szlig;enaufnahme in unmittelbarer N&auml;he stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen diesen Komfort hatte die Nassplatte auf Dauer schlechte Karten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fotografie wurde dadurch zu einer anderen T&auml;tigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade dieser Unterschied macht das Nassplattenverfahren heute so interessant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir betrachten alte Fotografien h&auml;ufig nur als Bilder. Dabei vergessen wir leicht, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Landschaftsfotograf des 19. Jahrhunderts konnte nicht einfach mit einer Kamera losziehen und spontan entscheiden, irgendwo ein Bild zu machen. Eine Aufnahme musste vorbereitet werden. Glasplatten, Chemikalien, Wasser und eine M&ouml;glichkeit zur lichtgesch&uuml;tzten Verarbeitung mussten vorhanden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beeinflusste zwangsl&auml;ufig auch die Art des Fotografierens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Foto war nicht nur eine Entscheidung &uuml;ber Motiv, <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/perspektive\/\" target=\"_self\" title=\"Sie ist in der Fotografie &ndash; mehr als nur der Blickwinkel Perspektive geh&ouml;rt zu den wirkungsvollsten Gestaltungsmitteln der Fotografie &ndash; und gleichzeitig zu den Begriffen, die leicht missverst&auml;ndlich verwendet werden. Oft hei&szlig;t es beispielsweise, ein Weitwinkelobjektiv w&uuml;rde die Perspektive verst&auml;rken&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Perspektive<\/a> und Bildausschnitt. Es war gleichzeitig ein handwerklicher und chemischer Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Faszination, die das Nasskollodiumverfahren bis heute besitzt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick auf die Nassplattenfotografie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich mir diesen Ablauf vor Augen f&uuml;hre, relativiert sich manches, wor&uuml;ber wir uns bei moderner Fototechnik Gedanken machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Akku ist schwer?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Stativ steht noch im Auto?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Speicherkarte hat nur Platz f&uuml;r ein paar hundert <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/raw\/\" target=\"_self\" title=\"Was steckt hinter dem Rohdatenformat? Wer sich etwas intensiver mit digitaler Fotografie besch&auml;ftigt, begegnet fr&uuml;her oder sp&auml;ter der Wahl zwischen JPEG und RAW. W&auml;hrend ein JPEG praktisch fertig aus der Kamera kommt, l&auml;sst Dir RAW bei der sp&auml;teren Bildentwicklung deutlich&hellip;\" class=\"encyclopedia\">RAW<\/a>-Dateien?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ja.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer einmal dar&uuml;ber nachdenkt, dass Fotografen fr&uuml;her zus&auml;tzlich Glasplatten, Chemikalien und im ung&uuml;nstigsten Fall eine mobile Dunkelkammer ben&ouml;tigten, betrachtet die eigene Fototasche vielleicht etwas entspannter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem w&uuml;rde ich die Nassplattenfotografie nicht einfach als umst&auml;ndliche Vorstufe unserer heutigen Fotografie betrachten. Das Verfahren hat eine ganz eigene Bildwirkung und verlangt eine Arbeitsweise, bei der jedes einzelne Bild bewusst vorbereitet wird. Genau deshalb besch&auml;ftigen sich auch heute noch Fotografen damit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&uuml;r meinen fotografischen Alltag darf es allerdings gern etwas unkomplizierter sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da erscheint mir selbst ein analoger Negativfilm pl&ouml;tzlich ausgesprochen komfortabel.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nasskollodiumverfahren war kompliziert, empfindlich und f&uuml;r Au&szlig;enaufnahmen alles andere als bequem. Gleichzeitig war es Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutender fotografischer Fortschritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Detailreiche Glasnegative, vergleichsweise kurze Belichtungszeiten und die M&ouml;glichkeit, viele Papierabz&uuml;ge von einem Negativ herzustellen, machten den Aufwand lohnend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht ist genau das der spannendste Gedanke hinter dem Verfahren: Fotografie war schon immer ein Zusammenspiel aus Bildidee und Technik. Nur musste man damals gelegentlich noch eine Dunkelkammer mitnehmen, um diese Bildidee &uuml;berhaupt auf eine Platte zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">&Uuml;berarbeiteter Beitrag, Erstver&ouml;ffentlichung 21.02.2023<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stell dir vor, du m\u00f6chtest unterwegs ein Landschaftsfoto machen. Kamera aufstellen, Bild gestalten, belichten \u2013 und weiter geht es. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts konnte daraus ein deutlich gr\u00f6\u00dferes Unternehmen werden. Wer mit dem Nasskollodiumverfahren fotografierte, brauchte nicht nur Kamera, Objektiv und Glasplatten. Die Platte musste unmittelbar vor der Aufnahme lichtempfindlich gemacht und anschlie\u00dfend noch im feuchten Zustand belichtet und entwickelt werden. Wer au\u00dferhalb des Ateliers fotografierte, nahm deshalb praktisch seine Dunkelkammer mit. Das klingt aus heutiger Sicht ausgesprochen umst\u00e4ndlich. Und das war es auch. Trotzdem war das Nassplattenverfahren ein wichtiger Fortschritt in der Geschichte der Fotografie. Es erm\u00f6glichte detailreiche Negative auf Glas, vergleichsweise kurze Belichtungszeiten und davon wiederum eine beliebige Zahl von Papierabz\u00fcgen. Schauen wir uns also an, warum Fotografen diesen Aufwand auf sich nahmen \u2013 und wie aus einer einfachen Glasplatte ein Foto wurde. Warum \u00fcberhaupt eine nasse Glasplatte? Das Nasskollodiumverfahren wurde 1851 von Frederick Scott Archer ver\u00f6ffentlicht und verbreitete sich anschlie\u00dfend schnell. Sein gro\u00dfer Vorteil lag im Glasnegativ. Im Gegensatz zum Papiernegativ war Glas transparent und besa\u00df keine Papierstruktur, die sich st\u00f6rend auf die Wiedergabe feinster Details auswirken konnte. Dadurch entstanden Negative mit einer f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse beeindruckenden Detailzeichnung. Gleichzeitig waren die erforderlichen Belichtungszeiten erheblich k\u00fcrzer als bei vielen \u00e4lteren Verfahren. Das Nasskollodiumverfahren verband damit zwei wichtige Eigenschaften: hohe Bildqualit\u00e4t und die M\u00f6glichkeit, von einem Negativ mehrere Papierabz\u00fcge anzufertigen. Der Preis daf\u00fcr war allerdings eine ziemlich unbequeme Arbeitsweise. Denn die Platte durfte w\u00e4hrend Aufnahme und Entwicklung nicht trocknen. Der entscheidende Wettlauf gegen die Zeit Der Name \u201eNassplattenfotografie\u201c beschreibt das eigentliche Problem schon ziemlich gut. Eine Glasplatte wurde mit Kollodium beschichtet. Kollodium besteht im fotografischen Zusammenhang aus Nitrocellulose, die in einem Gemisch aus Ether und Alkohol gel\u00f6st wird. Der L\u00f6sung wurden Salze zugesetzt, beispielsweise Iodide und Bromide. Diese Schicht allein war allerdings noch nicht ausreichend lichtempfindlich. Dazu musste die beschichtete Platte in ein Silbernitratbad gebracht werden. Dabei entstanden in der Kollodiumschicht lichtempfindliche Silberhalogenide. Und nun begann der Wettlauf. Solange die Schicht noch feucht war, musste die Platte in einen lichtdichten Plattenhalter eingesetzt, zur Kamera gebracht, belichtet und anschlie\u00dfend wieder entwickelt werden. Trocknete das Kollodium vorher, funktionierte das Verfahren nicht mehr wie vorgesehen. Deshalb geh\u00f6rte zu einer Fotoausr\u00fcstung f\u00fcr Au\u00dfenaufnahmen h\u00e4ufig auch ein Dunkelkammerzelt oder ein entsprechend ausger\u00fcsteter Wagen. Von der Glasplatte zum Negativ Der eigentliche Ablauf l\u00e4sst sich in einige Schritte unterteilen. 1. Die Glasplatte wird beschichtet Zun\u00e4chst musste eine sorgf\u00e4ltig gereinigte Glasplatte gleichm\u00e4\u00dfig mit Kollodium \u00fcberzogen werden. Dazu wurde die L\u00f6sung auf die Platte gegossen und durch vorsichtiges Neigen \u00fcber die gesamte Oberfl\u00e4che verteilt. \u00dcbersch\u00fcssiges Kollodium lie\u00df man wieder ablaufen. Schon dieser Arbeitsschritt erforderte etwas \u00dcbung. Eine ungleichm\u00e4\u00dfige Schicht, Staub oder Verunreinigungen konnten sp\u00e4ter im Bild sichtbar werden. 2. Die Platte wird lichtempfindlich Die noch feuchte Platte kam anschlie\u00dfend unter geeigneten Dunkelkammerbedingungen in ein Silbernitratbad. Dabei reagierten die im Kollodium enthaltenen Halogenidsalze mit dem Silbernitrat. In der Schicht entstanden lichtempfindliche Silberhalogenide. Erst jetzt war aus der beschichteten Glasplatte tats\u00e4chlich ein fotografisches Aufnahmematerial geworden. 3. Ab in den Plattenhalter Die sensibilisierte Platte wurde in einen lichtdichten Halter eingesetzt. Dieser lie\u00df sich anschlie\u00dfend zur Kamera transportieren. Dort wurde der Plattenhalter eingesetzt und der Dunkelschieber herausgezogen. Damit war die Platte aufnahmebereit. Viel Zeit f\u00fcr \u00dcberlegungen blieb allerdings nicht: Die Beschichtung sollte weiterhin feucht bleiben. Die Belichtung Heute w\u00e4hlen wir ISO, Blende und Belichtungszeit und k\u00f6nnen das Ergebnis im Zweifelsfall sofort auf dem Display kontrollieren. Bei einer Nassplatte war das wesentlich schwieriger. Ihre Lichtempfindlichkeit war gering und zudem stark vom Spektrum des Lichts abh\u00e4ngig. Belichtungsmesser gab es nat\u00fcrlich ebenfalls nicht. Erfahrung spielte deshalb eine entscheidende Rolle. Je nach Licht, Objektiv, Rezeptur und Motiv konnten Belichtungszeiten von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten erforderlich sein. Bei vielen damaligen Kameras gab es noch keinen Verschluss im heutigen Sinn. Die Belichtung konnte schlicht dadurch gestartet werden, dass der Objektivdeckel abgenommen wurde. Anschlie\u00dfend kam der Deckel wieder auf das Objektiv. Danach wurde der Dunkelschieber geschlossen und die Platte m\u00f6glichst schnell zur\u00fcck in die Dunkelkammer gebracht. Jetzt musste das Bild sichtbar werden Nach der Belichtung befand sich auf der Platte zun\u00e4chst ein latentes, also noch nicht unmittelbar sichtbares Bild. Zur Entwicklung wurde ein Entwickler \u00fcber die Oberfl\u00e4che gegossen. Beim Nasskollodiumverfahren kamen typischerweise Entwickler auf Basis von Eisensulfat zum Einsatz. Dort, wo w\u00e4hrend der Aufnahme Licht auf die lichtempfindliche Schicht getroffen hatte, entstand bei der Entwicklung metallisches Silber. Allm\u00e4hlich erschien das negative Bild. War die Entwicklung weit genug fortgeschritten, wurde sie durch Absp\u00fclen mit Wasser beendet. Das Entscheidende dabei: Auch dieser Arbeitsschritt musste erfolgen, solange die Kollodiumschicht noch feucht war. Fixieren, waschen und sch\u00fctzen Nach der Entwicklung befanden sich weiterhin unbelichtete Silberhalogenide in der Schicht. Sie mussten entfernt werden, damit das Bild bei weiterem Lichteinfall nicht nachdunkelte. Dazu wurde die Platte fixiert. Als Fixiermittel konnte beispielsweise Natriumthiosulfat verwendet werden. Anschlie\u00dfend wurde gr\u00fcndlich gew\u00e4ssert und die Platte getrocknet. Das fertige Negativ war jedoch noch empfindlich. Deshalb konnte die Bildschicht abschlie\u00dfend mit einem Schutzlack \u00fcberzogen werden. Nun lag tats\u00e4chlich ein haltbares Glasnegativ vor. Und gerade dieses Negativ war eine der gro\u00dfen St\u00e4rken des Verfahrens. Vom Glasnegativ zum Papierbild Ein Negativ allein h\u00e4ngt man sich normalerweise nicht an die Wand. Eine typische Kombination des 19. Jahrhunderts war deshalb das Kollodium-Glasnegativ zusammen mit einem Albuminpapier. Albumin ist Eiwei\u00df. Das Papier erhielt damit eine glatte Beschichtung, die nach entsprechender Sensibilisierung lichtempfindliche Silbersalze enthielt. Zum Kopieren wurde das Glasnegativ direkt auf das fotografische Papier gelegt und in einen Kopierrahmen eingespannt. Anschlie\u00dfend wurde es dem Tages- beziehungsweise Sonnenlicht ausgesetzt. Es handelte sich also um einen Kontaktabzug: Das Papierbild war genauso gro\u00df wie das verwendete Negativ. Nach ausreichender Belichtung wurde der Abzug weiterverarbeitet, fixiert und gr\u00fcndlich gewaschen. H\u00e4ufig wurden Albuminabz\u00fcge zus\u00e4tzlich getont, beispielsweise mit Goldchlorid. So entstand aus der vor Ort belichteten Glasplatte schlie\u00dflich das eigentliche Papierfoto. Warum tat man sich das alles an? Aus heutiger Sicht k\u00f6nnte man sich durchaus fragen, warum Fotografen freiwillig mit Glasplatten, Silbernitrat, Kollodium und einer mobilen Dunkelkammer durch die Landschaft zogen. Die Antwort ist einfach: Weil die Ergebnisse den Aufwand wert waren. Das Nasskollodiumverfahren lieferte sehr detailreiche Negative. Gegen\u00fcber \u00e4lteren Papiernegativen war die Detailwiedergabe erheblich besser, und gleichzeitig lie\u00dfen sich von einem Glasnegativ viele Papierabz\u00fcge herstellen. Das Verfahren setzte sich deshalb in den 1850er-Jahren schnell durch und wurde f\u00fcr einige Jahrzehnte zu einem der wichtigsten fotografischen Negativverfahren. Seine gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che steckte allerdings bereits im Namen: Die Platte musste nass verarbeitet werden. Als Gelatine-Trockenplatten verf\u00fcgbar wurden, \u00e4nderte sich die fotografische Praxis grundlegend. Fotografen konnten vorbereitete Platten mitnehmen, belichten und erst sp\u00e4ter entwickeln. Die Dunkelkammer musste nicht mehr bei jeder Au\u00dfenaufnahme in unmittelbarer N\u00e4he stehen. Gegen diesen Komfort hatte die Nassplatte auf Dauer schlechte Karten. Fotografie wurde dadurch zu einer anderen T\u00e4tigkeit Gerade dieser Unterschied macht das Nassplattenverfahren heute so interessant. Wir betrachten alte Fotografien h\u00e4ufig nur als Bilder. Dabei vergessen wir leicht, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Ein Landschaftsfotograf des 19. Jahrhunderts konnte nicht einfach mit einer Kamera losziehen und spontan entscheiden, irgendwo ein Bild zu machen. Eine Aufnahme musste vorbereitet werden. Glasplatten, Chemikalien, Wasser und eine M\u00f6glichkeit zur lichtgesch\u00fctzten Verarbeitung mussten vorhanden sein. Das beeinflusste zwangsl\u00e4ufig auch die Art des Fotografierens. Ein Foto war nicht nur eine Entscheidung \u00fcber Motiv, Perspektive und Bildausschnitt. Es war gleichzeitig ein handwerklicher und chemischer Prozess. Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Faszination, die das Nasskollodiumverfahren bis heute besitzt. Mein Blick auf die Nassplattenfotografie Wenn ich mir diesen Ablauf vor Augen f\u00fchre, relativiert sich manches, wor\u00fcber wir uns bei moderner Fototechnik Gedanken machen. Ein zweiter Akku ist schwer? Das Stativ steht noch im Auto? Und die Speicherkarte hat nur Platz f\u00fcr ein paar hundert RAW-Dateien? Nun ja. Wer einmal dar\u00fcber nachdenkt, dass Fotografen fr\u00fcher zus\u00e4tzlich Glasplatten, Chemikalien und im ung\u00fcnstigsten Fall eine mobile Dunkelkammer ben\u00f6tigten, betrachtet die eigene Fototasche vielleicht etwas entspannter. Trotzdem w\u00fcrde ich die Nassplattenfotografie nicht einfach als umst\u00e4ndliche Vorstufe unserer heutigen Fotografie betrachten. Das Verfahren hat eine ganz eigene Bildwirkung und verlangt eine Arbeitsweise, bei der jedes einzelne Bild bewusst vorbereitet wird. Genau deshalb besch\u00e4ftigen sich auch heute noch Fotografen damit. F\u00fcr meinen fotografischen Alltag darf es allerdings gern etwas unkomplizierter sein. Da erscheint mir selbst ein analoger Negativfilm pl\u00f6tzlich ausgesprochen komfortabel. Das Nasskollodiumverfahren war kompliziert, empfindlich und f\u00fcr Au\u00dfenaufnahmen alles andere als bequem. Gleichzeitig war es Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutender fotografischer Fortschritt. Detailreiche Glasnegative, vergleichsweise kurze Belichtungszeiten und die M\u00f6glichkeit, viele Papierabz\u00fcge von einem Negativ herzustellen, machten den Aufwand lohnend. Und vielleicht ist genau das der spannendste Gedanke hinter dem Verfahren: Fotografie war schon immer ein Zusammenspiel aus Bildidee und Technik. Nur musste man damals gelegentlich noch eine Dunkelkammer mitnehmen, um diese Bildidee \u00fcberhaupt auf eine Platte zu bekommen. \u00dcberarbeiteter Beitrag, Erstver\u00f6ffentlichung 21.02.2023<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":12694,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[40],"tags":[17,665,602,662,664,663,42],"class_list":["post-3088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-der-fotografie","tag-analogfotografie","tag-frederick-scott-archer","tag-geschichte-der-fotografie","tag-glasnegative","tag-kollodium","tag-nasskollodiumverfahren","tag-nassplattenfotografie"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Nassplattenfotografie: So funktionierte das Nasskollodiumverfahren - Fotografie &amp; Vinyl<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Glasplatten, Kollodium und eine mobile Dunkelkammer: Wie funktionierte die Nassplattenfotografie \u2013 und warum war das Verfahren im 19. 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