{"id":13382,"date":"2026-09-27T09:24:32","date_gmt":"2026-09-27T07:24:32","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=13382"},"modified":"2026-09-27T09:24:37","modified_gmt":"2026-09-27T07:24:37","slug":"der-eigene-blick-entsteht-nicht-nach-rezept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/der-eigene-blick-entsteht-nicht-nach-rezept\/","title":{"rendered":"Der eigene Blick entsteht nicht nach Rezept"},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&bdquo;H&ouml;rt niemals damit auf zu Experimentieren und auszuprobieren!&ldquo;<\/strong><br>Laura Helena<\/h2>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn aus Ausprobieren ein eigener Stil entsteht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann kennt man seine Kamera. Man wei&szlig;, welche Einstellungen funktionieren, hat vielleicht ein Lieblingsobjektiv gefunden und entwickelt seine Bilder nach einem vertrauten Schema. Das ist angenehm. Schlie&szlig;lich bedeutet Erfahrung auch, nicht jedes Mal bei null anfangen zu m&uuml;ssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch genau darin kann eine kleine Falle liegen: Was zuverl&auml;ssig funktioniert, wird schnell zur Gewohnheit. Und aus Gewohnheiten k&ouml;nnen Grenzen entstehen, die wir irgendwann gar nicht mehr bemerken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zitat von Laura Helena setzt genau dort einen interessanten Gegenpunkt. Experimentieren bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, fotografisches Wissen &uuml;ber Bord zu werfen. Es bedeutet vielmehr, sich immer wieder die Freiheit zu nehmen, etwas zu versuchen, dessen Ergebnis noch nicht feststeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das kann f&uuml;r die eigene fotografische Entwicklung erstaunlich wichtig sein.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laura Helena und die Suche nach einer eigenen Bildsprache<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laura Helena Rubahn machte sich vor allem mit fantasievoll inszenierter People-, Beauty- und Fashionfotografie einen Namen. Ihre Arbeiten waren stark gestaltet: Kost&uuml;me, Requisiten, Farben und aufwendige <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/bildbearbeitung\/\" target=\"_self\" title=\"Bildbearbeitung in der Fotografie bezieht sich auf jede Form der &Auml;nderung oder Verbesserung von digitalen oder analogen Fotos, um das Aussehen oder die Qualit&auml;t des Bildes zu ver&auml;ndern. Dies kann durch verschiedene Software-Tools erfolgen, die eine Vielzahl von Funktionen bieten,&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Bildbearbeitung<\/a> geh&ouml;rten ebenso zu ihrer Bildsprache wie die eigentliche Aufnahme. DOCMA beschrieb ihren Stil bereits 2015 als detailreich, vertr&auml;umt und beinahe gemalt. Laura Helena selbst betonte dabei, dass sie ihre Kreativit&auml;t sowohl in der Fotografie als auch in der Bildbearbeitung ausleben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Haltung findet sich auch in ihrem Buch <em>Fantasievolle Portr&auml;tfotografie<\/em>. Dort geht es nicht nur um Kameratechnik, sondern unter anderem um Bildgestaltung, Licht, Farbe, Kost&uuml;me, Inszenierung, Storytelling und Bildbearbeitung. Interessant ist dabei ihre Haltung gegen&uuml;ber fotografischen Regeln: Man sollte sie kennen &ndash; darf sie anschlie&szlig;end aber bewusst brechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund bekommt ihr Satz &uuml;ber das Experimentieren eine ziemlich konkrete Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was steckt hinter den Worten?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zitat stammt aus einer Antwort Laura Helenas auf die Frage, was sie gerne fr&uuml;her gewusst h&auml;tte, wenn sie noch einmal beginnen w&uuml;rde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der einzelne Satz wird h&auml;ufig allein wiedergegeben. Im Zusammenhang ist er jedoch wesentlich interessanter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laura Helena spricht dort &uuml;ber die Gefahr, als K&uuml;nstler die Kreativit&auml;t zu verlieren und in ein &bdquo;Kreativloch&ldquo; zu geraten. Anschlie&szlig;end erkl&auml;rt sie, dass ihr das Experimentieren nicht nur geholfen habe, einen eigenen Workflow zu entwickeln, sondern auch ihren au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Bildstil zu finden. Dabei bezieht sie das Ausprobieren ausdr&uuml;cklich nicht allein auf Bildbearbeitung und Fotografie, sondern beispielsweise auch auf den Kost&uuml;mbau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist die Aussage weniger ein allgemeiner Motivationsspruch, als sie zun&auml;chst erscheinen k&ouml;nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zitat l&auml;sst sich vielmehr als Pl&auml;doyer daf&uuml;r verstehen, fotografische Entwicklung nicht ausschlie&szlig;lich als Ansammlung von Wissen zu betrachten. Nat&uuml;rlich hilft es zu wissen, wie <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/blende\/\" target=\"_self\" title=\"Was sie ist und warum sie f&uuml;r Deine Fotos so wichtig ist Die Blende geh&ouml;rt zu den grundlegenden Werkzeugen der Fotografie. Trotzdem wirkt sie am Anfang gern ein wenig widerspr&uuml;chlich: Eine kleine Blendenzahl bedeutet eine gro&szlig;e &Ouml;ffnung, eine gro&szlig;e Blendenzahl&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Blende<\/a>, <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtungszeit\/\" target=\"_self\" title=\"Die Belichtungszeit ist ein wichtiger Parameter in der Fotografie und bezieht sich auf die Dauer, in der der Verschluss der Kamera ge&ouml;ffnet bleibt, um Licht auf den Film oder den Sensor zu lassen. Sie wird in Sekunden oder Bruchteilen davon&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtungszeit<\/a>, Licht oder Bildgestaltung funktionieren. Doch eine eigene Bildsprache entsteht nicht automatisch dadurch, dass man diese Dinge beherrscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann muss man anfangen, damit zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert, wenn ich das Licht anders setze als gewohnt? Wenn ich eine <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/brennweite\/\" target=\"_self\" title=\"Die Brennweite ist ein wichtiger Begriff in der Fotografie und bezieht sich auf die Entfernung zwischen dem Brennpunkt einer Linse und dem Sensor oder Film in einer Kamera. Die Brennweite wird in Millimetern gemessen und gibt an, wie stark die&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Brennweite<\/a> verwende, die ich f&uuml;r dieses Motiv normalerweise nicht nehmen w&uuml;rde? Wenn ich Farben anders kombiniere? Wenn ich eine Aufnahme st&auml;rker bearbeite &ndash; oder pl&ouml;tzlich viel weniger?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jedes Experiment wird zu einem guten Foto f&uuml;hren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber vielleicht liegt genau darin sein Wert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Experimentieren in Zeiten technisch perfekter Kameras<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist Ausprobieren technisch einfacher als zu analogen Zeiten. Eine zus&auml;tzliche Aufnahme kostet praktisch nichts, das Ergebnis erscheint sofort auf dem Display und in der <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/raw-entwicklung\/\" target=\"_self\" title=\"Aus Sensordaten wird ein fertiges Foto Wer im RAW-Format fotografiert, bekommt aus der Kamera zun&auml;chst kein vollst&auml;ndig fertig entwickeltes Bild. Die Datei enth&auml;lt vielmehr die Ausgangsdaten, aus denen eine RAW-Software das sichtbare Foto erzeugt. Genau dieser Vorgang wird als RAW-Entwicklung&hellip;\" class=\"encyclopedia\">RAW-Entwicklung<\/a> lassen sich unterschiedliche Interpretationen eines Bildes ausprobieren, ohne das Original zu ver&auml;ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig kann moderne Technik aber auch dazu verf&uuml;hren, fotografische Entscheidungen zu vereinheitlichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/autofokus\/\" target=\"_self\" title=\"Der Autofokus, kurz AF, ist ein System zur automatischen Scharfstellung einer Kamera. Er ermittelt, auf welcher Entfernung sich das ausgew&auml;hlte Motiv befindet, und steuert das Objektiv so, dass dieses m&ouml;glichst scharf auf dem Film oder Bildsensor abgebildet wird. Bei modernen&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Autofokus<\/a> erkennt Augen, Belichtungsautomatiken funktionieren erstaunlich zuverl&auml;ssig und Bildbearbeitungsprogramme bieten fertige Presets und zunehmend automatisierte L&ouml;sungen. Vieles davon ist ausgesprochen praktisch. Es nimmt uns Arbeit ab und schafft Raum f&uuml;r die eigentliche Fotografie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur beantwortet die Technik eine entscheidende Frage nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie soll mein Bild eigentlich aussehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade hier bleibt Laura Helenas Gedanke aktuell. Experimentieren bedeutet nicht, m&ouml;glichst viele Effekte einzusetzen. Es kann genauso gut bedeuten, etwas wegzulassen. Schwarzwei&szlig; statt Farbe. Eine l&auml;ngere Belichtungszeit statt eingefrorener Bewegung. <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/gegenlicht\/\" target=\"_self\" title=\"Wenn das Licht von vorne kommt Gegenlicht geh&ouml;rt zu den Lichtsituationen, die beim Fotografieren zun&auml;chst ein wenig widerspr&uuml;chlich wirken. Normalerweise achten wir darauf, dass unser Motiv gut beleuchtet wird. Beim Gegenlicht befindet sich die wichtigste Lichtquelle dagegen hinter dem Motiv&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Gegenlicht<\/a> statt sauber ausgeleuchtetem Gesicht. Ein ungew&ouml;hnlicher Ausschnitt statt der bew&auml;hrten Komposition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist nicht, dass es ungew&ouml;hnlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist, dass Du herausfindest, was passiert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Nachmittag ohne Erwartungsdruck<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell Dir vor, Du gehst mit Deiner Kamera an einen Ort, den Du schon h&auml;ufig fotografiert hast. Vielleicht einen Park, eine Stra&szlig;e in Deiner Stadt oder einfach Deinen eigenen Garten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Normalerweise wei&szlig;t Du inzwischen ziemlich genau, welche Motive dort funktionieren. Und wahrscheinlich w&uuml;rdest Du wieder &auml;hnliche Bilder mitbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesmal nimmst Du Dir jedoch etwas anderes vor: Du willst kein einziges &bdquo;gutes&ldquo; Foto machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du probierst stattdessen Dinge aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht fotografierst Du bewusst durch Bl&auml;tter hindurch. Du bewegst die Kamera w&auml;hrend der <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtung\/\" target=\"_self\" title=\"Belichtung geh&ouml;rt zu den Begriffen, an denen in der Fotografie kein Weg vorbeif&uuml;hrt. Denn unabh&auml;ngig davon, ob Du mit einer modernen Systemkamera, einer analogen Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone fotografierst: Am Anfang eines Fotos steht immer Licht. Dabei geht es bei&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtung<\/a>. Du setzt die <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/schaerfe\/\" target=\"_self\" title=\"Wann wirkt ein Bild wirklich scharf? Sch&auml;rfe geh&ouml;rt zu den Begriffen der Fotografie, die zun&auml;chst v&ouml;llig eindeutig erscheinen. Ein Foto ist entweder scharf oder unscharf &ndash; k&ouml;nnte man meinen. Tats&auml;chlich ist es deutlich komplizierter. Ob wir ein Bild als scharf&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Sch&auml;rfe<\/a> an eine Stelle, die normalerweise nicht das Hauptmotiv w&auml;re. Du fotografierst gegen die Sonne oder beschr&auml;nkst Dich eine Stunde lang auf Details, die Du sonst &uuml;bersehen w&uuml;rdest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Aufnahmen werden wahrscheinlich nicht funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine davon vielleicht schon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch interessanter ist aber m&ouml;glicherweise eine andere Erkenntnis: Du bemerkst pl&ouml;tzlich eine Bildidee, auf die Du mit Deiner &uuml;blichen Arbeitsweise gar nicht gekommen w&auml;rst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus einem Experiment ist noch kein eigener Stil entstanden. Wenn Dir bestimmte Ergebnisse jedoch gefallen und Du sie weiterentwickelst, kann aus zuf&auml;lligem Ausprobieren allm&auml;hlich eine bewusste gestalterische Entscheidung werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau dort wird Experimentieren fotografisch spannend.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick auf das Zitat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir gef&auml;llt an Laura Helenas Aussage besonders, dass Experimentieren hier nicht als Gegenst&uuml;ck zu fotografischem K&ouml;nnen erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&uuml;r mich geh&ouml;rt beides zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr ich &uuml;ber Fotografie wei&szlig;, desto gezielter kann ich experimentieren. Wenn ich beispielsweise wei&szlig;, wie <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/verschlusszeit\/\" target=\"_self\" title=\"Bewegung sichtbar machen und Belichtung steuern Die Verschlusszeit geh&ouml;rt zu den grundlegenden Einstellungen beim Fotografieren. Trotzdem w&auml;re es schade, sie nur als einen Wert zu betrachten, mit dem Du ein Bild heller oder dunkler machst. Denn sie entscheidet &uuml;ber etwas,&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Verschlusszeit<\/a> Bewegung abbildet, kann ich bewusst ausprobieren, wie weit ich gehen m&ouml;chte. Wenn ich verstehe, wie Licht ein Gesicht modelliert, kann ich entscheiden, wann ich von einer klassischen Lichtsetzung abweichen m&ouml;chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w&uuml;rde das Zitat deshalb auch nicht als Aufforderung verstehen, st&auml;ndig etwas Neues machen zu m&uuml;ssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn darin steckt wiederum eine andere Falle. Wer permanent nach dem n&auml;chsten Effekt sucht, entwickelt m&ouml;glicherweise ebenso wenig eine eigene Bildsprache wie jemand, der immer dasselbe fotografiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal muss man ein Experiment auch lange genug verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht entsteht der pers&ouml;nliche Stil deshalb gar nicht durch m&ouml;glichst viele unterschiedliche Ideen. Vielleicht entsteht er dort, wo wir bei einigen Experimenten feststellen: <strong>Das hier interessiert mich. Damit m&ouml;chte ich weitermachen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wird aus Ausprobieren langsam Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und aus Erfahrung m&ouml;glicherweise eine Handschrift.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bleibt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Experimentieren garantiert keine besseren Fotos. Es garantiert noch nicht einmal interessante Fotos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es schafft die M&ouml;glichkeit, etwas zu entdecken, das vorher nicht Teil der eigenen fotografischen Routine war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist genau das der bleibende Gedanke hinter Laura Helenas Satz: Fotografische Entwicklung beginnt nicht immer mit einer neuen Kamera, einem neuen <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/objektiv\/\" target=\"_self\" title=\"Mehr als nur das Auge der Kamera Wenn &uuml;ber Kameras gesprochen wird, dreht sich vieles um Sensoren, Megapixel, Autofokus oder Serienbildgeschwindigkeit. Dabei entsteht das Bild schon ein gutes St&uuml;ck vorher: im Objektiv. Das Objektiv sammelt das Licht eines Motivs und&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Objektiv<\/a> oder einer neuen Technik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal beginnt sie einfach mit der Frage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was passiert eigentlich, wenn ich es heute einmal anders mache?<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eH\u00f6rt niemals damit auf zu Experimentieren und auszuprobieren!\u201cLaura Helena Wenn aus Ausprobieren ein eigener Stil entsteht Irgendwann kennt man seine Kamera. Man wei\u00df, welche Einstellungen funktionieren, hat vielleicht ein Lieblingsobjektiv gefunden und entwickelt seine Bilder nach einem vertrauten Schema. Das ist angenehm. Schlie\u00dflich bedeutet Erfahrung auch, nicht jedes Mal bei null anfangen zu m\u00fcssen. Doch genau darin kann eine kleine Falle liegen: Was zuverl\u00e4ssig funktioniert, wird schnell zur Gewohnheit. Und aus Gewohnheiten k\u00f6nnen Grenzen entstehen, die wir irgendwann gar nicht mehr bemerken. Das Zitat von Laura Helena setzt genau dort einen interessanten Gegenpunkt. Experimentieren bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, fotografisches Wissen \u00fcber Bord zu werfen. Es bedeutet vielmehr, sich immer wieder die Freiheit zu nehmen, etwas zu versuchen, dessen Ergebnis noch nicht feststeht. Und genau das kann f\u00fcr die eigene fotografische Entwicklung erstaunlich wichtig sein. Laura Helena und die Suche nach einer eigenen Bildsprache Laura Helena Rubahn machte sich vor allem mit fantasievoll inszenierter People-, Beauty- und Fashionfotografie einen Namen. Ihre Arbeiten waren stark gestaltet: Kost\u00fcme, Requisiten, Farben und aufwendige Bildbearbeitung geh\u00f6rten ebenso zu ihrer Bildsprache wie die eigentliche Aufnahme. DOCMA beschrieb ihren Stil bereits 2015 als detailreich, vertr\u00e4umt und beinahe gemalt. Laura Helena selbst betonte dabei, dass sie ihre Kreativit\u00e4t sowohl in der Fotografie als auch in der Bildbearbeitung ausleben wollte. Diese Haltung findet sich auch in ihrem Buch Fantasievolle Portr\u00e4tfotografie. Dort geht es nicht nur um Kameratechnik, sondern unter anderem um Bildgestaltung, Licht, Farbe, Kost\u00fcme, Inszenierung, Storytelling und Bildbearbeitung. Interessant ist dabei ihre Haltung gegen\u00fcber fotografischen Regeln: Man sollte sie kennen \u2013 darf sie anschlie\u00dfend aber bewusst brechen. Vor diesem Hintergrund bekommt ihr Satz \u00fcber das Experimentieren eine ziemlich konkrete Bedeutung. Was steckt hinter den Worten? Das Zitat stammt aus einer Antwort Laura Helenas auf die Frage, was sie gerne fr\u00fcher gewusst h\u00e4tte, wenn sie noch einmal beginnen w\u00fcrde. Der einzelne Satz wird h\u00e4ufig allein wiedergegeben. Im Zusammenhang ist er jedoch wesentlich interessanter. 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Irgendwann muss man anfangen, damit zu spielen. Was passiert, wenn ich das Licht anders setze als gewohnt? Wenn ich eine Brennweite verwende, die ich f\u00fcr dieses Motiv normalerweise nicht nehmen w\u00fcrde? Wenn ich Farben anders kombiniere? Wenn ich eine Aufnahme st\u00e4rker bearbeite \u2013 oder pl\u00f6tzlich viel weniger? Nicht jedes Experiment wird zu einem guten Foto f\u00fchren. Aber vielleicht liegt genau darin sein Wert. Experimentieren in Zeiten technisch perfekter Kameras Heute ist Ausprobieren technisch einfacher als zu analogen Zeiten. Eine zus\u00e4tzliche Aufnahme kostet praktisch nichts, das Ergebnis erscheint sofort auf dem Display und in der RAW-Entwicklung lassen sich unterschiedliche Interpretationen eines Bildes ausprobieren, ohne das Original zu ver\u00e4ndern. Gleichzeitig kann moderne Technik aber auch dazu verf\u00fchren, fotografische Entscheidungen zu vereinheitlichen. Autofokus erkennt Augen, Belichtungsautomatiken funktionieren erstaunlich zuverl\u00e4ssig und Bildbearbeitungsprogramme bieten fertige Presets und zunehmend automatisierte L\u00f6sungen. Vieles davon ist ausgesprochen praktisch. Es nimmt uns Arbeit ab und schafft Raum f\u00fcr die eigentliche Fotografie. Nur beantwortet die Technik eine entscheidende Frage nicht: Wie soll mein Bild eigentlich aussehen? Gerade hier bleibt Laura Helenas Gedanke aktuell. Experimentieren bedeutet nicht, m\u00f6glichst viele Effekte einzusetzen. Es kann genauso gut bedeuten, etwas wegzulassen. Schwarzwei\u00df statt Farbe. Eine l\u00e4ngere Belichtungszeit statt eingefrorener Bewegung. Gegenlicht statt sauber ausgeleuchtetem Gesicht. Ein ungew\u00f6hnlicher Ausschnitt statt der bew\u00e4hrten Komposition. Entscheidend ist nicht, dass es ungew\u00f6hnlich ist. Entscheidend ist, dass Du herausfindest, was passiert. Ein Nachmittag ohne Erwartungsdruck Stell Dir vor, Du gehst mit Deiner Kamera an einen Ort, den Du schon h\u00e4ufig fotografiert hast. Vielleicht einen Park, eine Stra\u00dfe in Deiner Stadt oder einfach Deinen eigenen Garten. Normalerweise wei\u00dft Du inzwischen ziemlich genau, welche Motive dort funktionieren. Und wahrscheinlich w\u00fcrdest Du wieder \u00e4hnliche Bilder mitbringen. Diesmal nimmst Du Dir jedoch etwas anderes vor: Du willst kein einziges \u201egutes\u201c Foto machen. Du probierst stattdessen Dinge aus. Vielleicht fotografierst Du bewusst durch Bl\u00e4tter hindurch. Du bewegst die Kamera w\u00e4hrend der Belichtung. Du setzt die Sch\u00e4rfe an eine Stelle, die normalerweise nicht das Hauptmotiv w\u00e4re. Du fotografierst gegen die Sonne oder beschr\u00e4nkst Dich eine Stunde lang auf Details, die Du sonst \u00fcbersehen w\u00fcrdest. Viele Aufnahmen werden wahrscheinlich nicht funktionieren. Eine davon vielleicht schon. Noch interessanter ist aber m\u00f6glicherweise eine andere Erkenntnis: Du bemerkst pl\u00f6tzlich eine Bildidee, auf die Du mit Deiner \u00fcblichen Arbeitsweise gar nicht gekommen w\u00e4rst. Aus einem Experiment ist noch kein eigener Stil entstanden. Wenn Dir bestimmte Ergebnisse jedoch gefallen und Du sie weiterentwickelst, kann aus zuf\u00e4lligem Ausprobieren allm\u00e4hlich eine bewusste gestalterische Entscheidung werden. Genau dort wird Experimentieren fotografisch spannend. Mein Blick auf das Zitat Mir gef\u00e4llt an Laura Helenas Aussage besonders, dass Experimentieren hier nicht als Gegenst\u00fcck zu fotografischem K\u00f6nnen erscheint. F\u00fcr mich geh\u00f6rt beides zusammen. Je mehr ich \u00fcber Fotografie wei\u00df, desto gezielter kann ich experimentieren. Wenn ich beispielsweise wei\u00df, wie Verschlusszeit Bewegung abbildet, kann ich bewusst ausprobieren, wie weit ich gehen m\u00f6chte. Wenn ich verstehe, wie Licht ein Gesicht modelliert, kann ich entscheiden, wann ich von einer klassischen Lichtsetzung abweichen m\u00f6chte. Ich w\u00fcrde das Zitat deshalb auch nicht als Aufforderung verstehen, st\u00e4ndig etwas Neues machen zu m\u00fcssen. Denn darin steckt wiederum eine andere Falle. Wer permanent nach dem n\u00e4chsten Effekt sucht, entwickelt m\u00f6glicherweise ebenso wenig eine eigene Bildsprache wie jemand, der immer dasselbe fotografiert. Manchmal muss man ein Experiment auch lange genug verfolgen. Vielleicht entsteht der pers\u00f6nliche Stil deshalb gar nicht durch m\u00f6glichst viele unterschiedliche Ideen. Vielleicht entsteht er dort, wo wir bei einigen Experimenten feststellen: Das hier interessiert mich. Damit m\u00f6chte ich weitermachen. Dann wird aus Ausprobieren langsam Erfahrung. Und aus Erfahrung m\u00f6glicherweise eine Handschrift. Was bleibt? Experimentieren garantiert keine besseren Fotos. Es garantiert noch nicht einmal interessante Fotos. Aber es schafft die M\u00f6glichkeit, etwas zu entdecken, das vorher nicht Teil der eigenen fotografischen Routine war. Vielleicht ist genau das der bleibende Gedanke hinter Laura Helenas Satz: Fotografische Entwicklung beginnt nicht immer mit einer neuen Kamera, einem neuen Objektiv oder einer neuen Technik. 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