{"id":13418,"date":"2026-09-30T20:15:15","date_gmt":"2026-09-30T18:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/fotografievinyl.de\/?post_type=encyclopedia&#038;p=13418"},"modified":"2026-09-30T20:19:49","modified_gmt":"2026-09-30T18:19:49","slug":"lewis-hine","status":"publish","type":"encyclopedia","link":"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/lewis-hine\/","title":{"rendered":"Lewis Hine"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Fotografie als Werkzeug f&uuml;r soziale Ver&auml;nderung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lewis Wickes Hine (1874&ndash;1940)<\/strong> geh&ouml;rt zu den bedeutenden Vertretern der sozialdokumentarischen Fotografie. F&uuml;r ihn war die Kamera nicht nur ein Mittel, um die Welt abzubilden. Seine Fotografien sollten sichtbar machen, unter welchen Bedingungen Menschen lebten und arbeiteten &ndash; und damit gesellschaftliche Ver&auml;nderungen unterst&uuml;tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bekannt wurde Hine durch seine Fotografien arbeitender Kinder in den Vereinigten Staaten. Tausende seiner Aufnahmen dokumentieren eine Arbeitswelt, die heute kaum noch vorstellbar erscheint.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Lehrer zum Fotografen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewis Wickes Hine wurde 1874 in Oshkosh im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Sp&auml;ter arbeitete er als Lehrer an der Ethical Culture School in New York und besch&auml;ftigte sich mit Soziologie. Seine Ausbildung und sein Interesse an gesellschaftlichen Fragen pr&auml;gten auch seinen sp&auml;teren Umgang mit der Fotografie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 1905 fotografierte Hine Einwanderer auf Ellis Island. Dabei entstanden zahlreiche Aufnahmen von Menschen und Familien, die nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten auf ein neues Leben hofften. Das George Eastman Museum besitzt beispielsweise Fotografien einer italienischen Familie auf der F&auml;hre von Ellis Island aus dem Jahr 1905.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon hier wird etwas deutlich, das f&uuml;r Hines weiteres Werk charakteristisch werden sollte: Menschen waren f&uuml;r ihn nicht einfach anonyme Bestandteile einer gesellschaftlichen Statistik. Seine Kamera richtete sich auf einzelne Personen und deren Lebensumst&auml;nde.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Mittagsstunde-in-einer-Konservenfabrik-in-Indianapolis-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13420\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Mittagsstunde-in-einer-Konservenfabrik-in-Indianapolis-Web.jpg 1024w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Mittagsstunde-in-einer-Konservenfabrik-in-Indianapolis-Web-400x283.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Mittagsstunde-in-einer-Konservenfabrik-in-Indianapolis-Web-768x543.jpg 768w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Mittagsstunde-in-einer-Konservenfabrik-in-Indianapolis-Web-18x12.jpg 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine Gruppe junger Burschen arbeitet in einer Konservenfabrik in Indianapolis, 1908&nbsp;&ndash; Foto: Lewis Hines &ndash; Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mit der Kamera gegen Kinderarbeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1908 begann Hine f&uuml;r das <strong>National Child Labor Committee (NCLC)<\/strong> zu arbeiten. Seine Aufgabe war ungew&ouml;hnlich: Er sollte die Arbeitsbedingungen von Kindern in den Vereinigten Staaten untersuchen und fotografisch dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hine reiste daf&uuml;r durch das Land. Er fotografierte Kinder in Baumwollspinnereien, Fabriken, Bergwerken und Konservenfabriken, auf Farmen und bei verschiedenen Arbeiten auf der Stra&szlig;e. Die heute in der Library of Congress erhaltene NCLC-Sammlung umfasst mehr als <strong>5.100 fotografische Abz&uuml;ge und 355 Glasnegative<\/strong> aus dem Zeitraum von 1908 bis 1924.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bilder entstanden keineswegs immer mit Zustimmung der Unternehmen. Fabrikbesitzer hatten wenig Interesse daran, einen Fotografen hereinzulassen, dessen Aufnahmen die Arbeitsbedingungen &ouml;ffentlich machen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hine bezeichnete diese T&auml;tigkeit sp&auml;ter selbst als eine Art &bdquo;Detektivarbeit&ldquo;. Um Zugang zu Betrieben zu bekommen, trat er unter anderem als Bibel- oder Postkartenverk&auml;ufer sowie als Industriefotograf auf. Gelang ihm der Zugang nicht, fotografierte er Kinder teilweise vor den Betrieben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fotografie und Information geh&ouml;rten zusammen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Besonderheit von Hines Arbeit liegt darin, dass er sich nicht allein auf die Wirkung seiner Fotografien verlie&szlig;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu vielen Bildern geh&ouml;ren ausf&uuml;hrliche Bildtexte und Aufzeichnungen. Darin hielt er beispielsweise Namen, Alter, Arbeitsort oder Informationen &uuml;ber die T&auml;tigkeit der fotografierten Kinder fest. Bild und Information wurden damit gemeinsam zum Dokument.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war wichtig, denn Hines Fotografien entstanden nicht prim&auml;r f&uuml;r eine Ausstellung im heutigen Sinne. Das National Child Labor Committee verwendete sie unter anderem in Berichten, Ausstellungen und anderen Informationsmaterialien, um auf Kinderarbeit aufmerksam zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fotografie bekam damit eine konkrete gesellschaftliche Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Kinder vor Hines Kamera<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele von Hines bekanntesten Fotografien zeigen Kinder zwischen gewaltigen Maschinen oder innerhalb gro&szlig;er Fabrikhallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei diesen Bildern ist es wichtig, nicht mehr in sie hineinzulesen, als tats&auml;chlich zu sehen oder durch Hines Aufzeichnungen belegt ist. Gesichtsausdruck, K&ouml;rperhaltung oder Blickrichtung k&ouml;nnen schnell zu Geschichten verleiten, die wir aus heutiger <a href=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/en\/enzyklopaedie\/perspektive\/\" target=\"_self\" title=\"Sie ist in der Fotografie &ndash; mehr als nur der Blickwinkel Perspektive geh&ouml;rt zu den wirkungsvollsten Gestaltungsmitteln der Fotografie &ndash; und gleichzeitig zu den Begriffen, die leicht missverst&auml;ndlich verwendet werden. Oft hei&szlig;t es beispielsweise, ein Weitwinkelobjektiv w&uuml;rde die Perspektive verst&auml;rken&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Perspektive<\/a> erg&auml;nzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hines St&auml;rke liegt jedoch gerade darin, dass solche Erg&auml;nzungen gar nicht notwendig sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kind in einer Spinnerei, ein Zeitungsjunge auf der Stra&szlig;e oder ein Junge bei der Arbeit in einer Glasfabrik werden durch Aufnahmeort, Arbeitsumgebung und die &uuml;berlieferten Informationen bereits zu aussagekr&auml;ftigen historischen Dokumenten. Ein Beispiel ist Hines Aufnahme eines Jungen, der im August 1908 nachts um ein Uhr in einer Glasfabrik in Indiana arbeitete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dokumentierte Situation spricht f&uuml;r sich.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr als Kinderarbeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hine auf seine Fotografien zur Kinderarbeit zu reduzieren, w&uuml;rde seinem Werk allerdings nicht gerecht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine fotografische Arbeit l&auml;sst sich grob in mehrere gro&szlig;e Bereiche einteilen: die Einwanderer auf Ellis Island, die Dokumentation der Kinderarbeit und sp&auml;ter die Besch&auml;ftigung mit Industrie und erwachsenen Arbeitern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Ersten Weltkrieg dokumentierte er au&szlig;erdem f&uuml;r das Amerikanische Rote Kreuz humanit&auml;re Arbeit in Europa. Das George Eastman Museum beschreibt sein Gesamtwerk entsprechend als Dokumentation von Kinderarbeit, Immigration sowie schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M&auml;nner bei der Arbeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1930 erhielt Hines Fotografie noch einmal einen anderen Schwerpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Bau des <strong>Empire State Building<\/strong> fotografierte er die Arbeiter, die in gro&szlig;er H&ouml;he an der Konstruktion des Wolkenkratzers arbeiteten. Daraus entwickelte sich die Werkgruppe <em>Men at Work<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier stehen Menschen und Arbeit im Mittelpunkt, doch die Perspektive ist eine andere. Die Arbeiter erscheinen nicht nur als Teil einer industriellen Konstruktion. Hine machte ihre T&auml;tigkeit und ihren Anteil an der Entstehung eines der bekanntesten Bauwerke New Yorks sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufnahmen von Stahlarbeitern auf den Tr&auml;gern des Empire State Building geh&ouml;ren heute zu seinen bekanntesten Fotografien. Originale und Negative dieser Serie befinden sich unter anderem in der Sammlung des George Eastman Museum.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"732\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Tagesszene-in-einer-Glasfabrik-in-Indiana-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13422\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Tagesszene-in-einer-Glasfabrik-in-Indiana-Web.jpg 1024w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Tagesszene-in-einer-Glasfabrik-in-Indiana-Web-400x286.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Tagesszene-in-einer-Glasfabrik-in-Indiana-Web-768x549.jpg 768w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Lewis-Hine-Tagesszene-in-einer-Glasfabrik-in-Indiana-Web-18x12.jpg 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tagesszene in einer Glasfabrik in Indiana &nbsp;&ndash; Foto: Lewis Hines &ndash; Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fotografie mit einer Aufgabe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewis Hine verstand Fotografie nicht als neutralen Vorgang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Bilder sollten informieren und &uuml;berzeugen. Dabei wusste er durchaus um die Bedeutung fotografischer Gestaltung. Das Metropolitan Museum of Art weist darauf hin, dass Hine Fotografie unterrichtete, mit Sch&uuml;lern Alfred Stieglitz&lsquo; Galerie besuchte und davon &uuml;berzeugt war, dass eine gute bildnerische Gestaltung die Wirkung einer gesellschaftlichen Botschaft verst&auml;rken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verbindet sein Werk zwei Aspekte, die manchmal k&uuml;nstlich voneinander getrennt werden: Dokumentation und Gestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein dokumentarisches Foto muss nicht gestalterisch belanglos sein, um glaubw&uuml;rdig zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f&uuml;r die Fotografie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewis Hine zeigte fr&uuml;h, welche gesellschaftliche Wirkung fotografische Dokumentation entfalten kann, wenn Bilder systematisch recherchiert, mit Informationen versehen und gezielt ver&ouml;ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Fotografien wurden Teil einer &ouml;ffentlichen Auseinandersetzung &uuml;ber Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit. Das National Child Labor Committee setzte sie ausdr&uuml;cklich im Rahmen seiner Informations- und Reformarbeit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig besitzen viele dieser Aufnahmen eine fotografische Qualit&auml;t, durch die sie weit &uuml;ber ihre urspr&uuml;ngliche Funktion hinaus Bestand haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sind sie historische Quellen, sozialgeschichtliche Dokumente und bedeutende Werke der Fotografiegeschichte zugleich.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewis Hine geh&ouml;rt zu den Fotografen, bei denen sich besonders deutlich zeigt, dass Fotografie mehr sein kann als das Festhalten eines Augenblicks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er fotografierte Menschen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen au&szlig;erhalb ihres unmittelbaren Umfeldes h&auml;ufig kaum wahrgenommen wurden. Dabei verband er seine Bilder mit Recherche und konkreten Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt genau darin die bleibende St&auml;rke seiner Arbeit: Hine musste das Elend seiner Motive nicht k&uuml;nstlich dramatisieren. Er machte es sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und manchmal ist genau das die gr&ouml;&szlig;te Wirkung, die eine Fotografie erzielen kann.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-white-color has-black-background-color has-text-color has-background has-link-color has-medium-font-size wp-elements-1\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"294\" src=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web-400x294.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13401 size-medium\" srcset=\"https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web-400x294.jpg 400w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web-768x564.jpg 768w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web-16x12.jpg 16w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web-1140x837.jpg 1140w, https:\/\/fotografievinyl.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Maedchen-arbeitet-in-einer-Baumwollspinnerei-in-Carolina-Web.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-2\" style=\"color:#52645a\">Lese auch:<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-3\" style=\"color:#52645a\"><a href=\"\/sadie-pfeifer-ein-kind-in-der-baumwollspinnerei\/\">Sadie Pfeifer &ndash; ein Kind in der Baumwollspinnerei<\/a><\/h4>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\" style=\"color:#52645a\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fotografie als Werkzeug f\u00fcr soziale Ver\u00e4nderung Lewis Wickes Hine (1874\u20131940) geh\u00f6rt zu den bedeutenden Vertretern der sozialdokumentarischen Fotografie. F\u00fcr ihn war die Kamera nicht nur ein Mittel, um die Welt abzubilden. Seine Fotografien sollten sichtbar machen, unter welchen Bedingungen Menschen lebten und arbeiteten \u2013 und damit gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen unterst\u00fctzen. Besonders bekannt wurde Hine durch seine Fotografien arbeitender Kinder in den Vereinigten Staaten. Tausende seiner Aufnahmen dokumentieren eine Arbeitswelt, die heute kaum noch vorstellbar erscheint. Vom Lehrer zum Fotografen Lewis Wickes Hine wurde 1874 in Oshkosh im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Sp\u00e4ter arbeitete er als Lehrer an der Ethical Culture School in New York und besch\u00e4ftigte sich mit Soziologie. Seine Ausbildung und sein Interesse an gesellschaftlichen Fragen pr\u00e4gten auch seinen sp\u00e4teren Umgang mit der Fotografie. Ab 1905 fotografierte Hine Einwanderer auf Ellis Island. Dabei entstanden zahlreiche Aufnahmen von Menschen und Familien, die nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten auf ein neues Leben hofften. Das George Eastman Museum besitzt beispielsweise Fotografien einer italienischen Familie auf der F\u00e4hre von Ellis Island aus dem Jahr 1905. Schon hier wird etwas deutlich, das f\u00fcr Hines weiteres Werk charakteristisch werden sollte: Menschen waren f\u00fcr ihn nicht einfach anonyme Bestandteile einer gesellschaftlichen Statistik. Seine Kamera richtete sich auf einzelne Personen und deren Lebensumst\u00e4nde. Mit der Kamera gegen Kinderarbeit 1908 begann Hine f\u00fcr das National Child Labor Committee (NCLC) zu arbeiten. Seine Aufgabe war ungew\u00f6hnlich: Er sollte die Arbeitsbedingungen von Kindern in den Vereinigten Staaten untersuchen und fotografisch dokumentieren. Hine reiste daf\u00fcr durch das Land. Er fotografierte Kinder in Baumwollspinnereien, Fabriken, Bergwerken und Konservenfabriken, auf Farmen und bei verschiedenen Arbeiten auf der Stra\u00dfe. Die heute in der Library of Congress erhaltene NCLC-Sammlung umfasst mehr als 5.100 fotografische Abz\u00fcge und 355 Glasnegative aus dem Zeitraum von 1908 bis 1924. Die Bilder entstanden keineswegs immer mit Zustimmung der Unternehmen. Fabrikbesitzer hatten wenig Interesse daran, einen Fotografen hereinzulassen, dessen Aufnahmen die Arbeitsbedingungen \u00f6ffentlich machen konnten. Hine bezeichnete diese T\u00e4tigkeit sp\u00e4ter selbst als eine Art \u201eDetektivarbeit\u201c. Um Zugang zu Betrieben zu bekommen, trat er unter anderem als Bibel- oder Postkartenverk\u00e4ufer sowie als Industriefotograf auf. Gelang ihm der Zugang nicht, fotografierte er Kinder teilweise vor den Betrieben. Fotografie und Information geh\u00f6rten zusammen Eine Besonderheit von Hines Arbeit liegt darin, dass er sich nicht allein auf die Wirkung seiner Fotografien verlie\u00df. Zu vielen Bildern geh\u00f6ren ausf\u00fchrliche Bildtexte und Aufzeichnungen. Darin hielt er beispielsweise Namen, Alter, Arbeitsort oder Informationen \u00fcber die T\u00e4tigkeit der fotografierten Kinder fest. Bild und Information wurden damit gemeinsam zum Dokument. Das war wichtig, denn Hines Fotografien entstanden nicht prim\u00e4r f\u00fcr eine Ausstellung im heutigen Sinne. Das National Child Labor Committee verwendete sie unter anderem in Berichten, Ausstellungen und anderen Informationsmaterialien, um auf Kinderarbeit aufmerksam zu machen. Die Fotografie bekam damit eine konkrete gesellschaftliche Aufgabe. Die Kinder vor Hines Kamera Viele von Hines bekanntesten Fotografien zeigen Kinder zwischen gewaltigen Maschinen oder innerhalb gro\u00dfer Fabrikhallen. Gerade bei diesen Bildern ist es wichtig, nicht mehr in sie hineinzulesen, als tats\u00e4chlich zu sehen oder durch Hines Aufzeichnungen belegt ist. Gesichtsausdruck, K\u00f6rperhaltung oder Blickrichtung k\u00f6nnen schnell zu Geschichten verleiten, die wir aus heutiger Perspektive erg\u00e4nzen. Hines St\u00e4rke liegt jedoch gerade darin, dass solche Erg\u00e4nzungen gar nicht notwendig sind. Ein Kind in einer Spinnerei, ein Zeitungsjunge auf der Stra\u00dfe oder ein Junge bei der Arbeit in einer Glasfabrik werden durch Aufnahmeort, Arbeitsumgebung und die \u00fcberlieferten Informationen bereits zu aussagekr\u00e4ftigen historischen Dokumenten. Ein Beispiel ist Hines Aufnahme eines Jungen, der im August 1908 nachts um ein Uhr in einer Glasfabrik in Indiana arbeitete. Die dokumentierte Situation spricht f\u00fcr sich. Mehr als Kinderarbeit Hine auf seine Fotografien zur Kinderarbeit zu reduzieren, w\u00fcrde seinem Werk allerdings nicht gerecht. Seine fotografische Arbeit l\u00e4sst sich grob in mehrere gro\u00dfe Bereiche einteilen: die Einwanderer auf Ellis Island, die Dokumentation der Kinderarbeit und sp\u00e4ter die Besch\u00e4ftigung mit Industrie und erwachsenen Arbeitern. Nach dem Ersten Weltkrieg dokumentierte er au\u00dferdem f\u00fcr das Amerikanische Rote Kreuz humanit\u00e4re Arbeit in Europa. Das George Eastman Museum beschreibt sein Gesamtwerk entsprechend als Dokumentation von Kinderarbeit, Immigration sowie schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. M\u00e4nner bei der Arbeit Um 1930 erhielt Hines Fotografie noch einmal einen anderen Schwerpunkt. Beim Bau des Empire State Building fotografierte er die Arbeiter, die in gro\u00dfer H\u00f6he an der Konstruktion des Wolkenkratzers arbeiteten. Daraus entwickelte sich die Werkgruppe Men at Work. Auch hier stehen Menschen und Arbeit im Mittelpunkt, doch die Perspektive ist eine andere. Die Arbeiter erscheinen nicht nur als Teil einer industriellen Konstruktion. Hine machte ihre T\u00e4tigkeit und ihren Anteil an der Entstehung eines der bekanntesten Bauwerke New Yorks sichtbar. Aufnahmen von Stahlarbeitern auf den Tr\u00e4gern des Empire State Building geh\u00f6ren heute zu seinen bekanntesten Fotografien. Originale und Negative dieser Serie befinden sich unter anderem in der Sammlung des George Eastman Museum. Fotografie mit einer Aufgabe Lewis Hine verstand Fotografie nicht als neutralen Vorgang. Seine Bilder sollten informieren und \u00fcberzeugen. Dabei wusste er durchaus um die Bedeutung fotografischer Gestaltung. Das Metropolitan Museum of Art weist darauf hin, dass Hine Fotografie unterrichtete, mit Sch\u00fclern Alfred Stieglitz&#8216; Galerie besuchte und davon \u00fcberzeugt war, dass eine gute bildnerische Gestaltung die Wirkung einer gesellschaftlichen Botschaft verst\u00e4rken konnte. Damit verbindet sein Werk zwei Aspekte, die manchmal k\u00fcnstlich voneinander getrennt werden: Dokumentation und Gestaltung. Ein dokumentarisches Foto muss nicht gestalterisch belanglos sein, um glaubw\u00fcrdig zu bleiben. Bedeutung f\u00fcr die Fotografie Lewis Hine zeigte fr\u00fch, welche gesellschaftliche Wirkung fotografische Dokumentation entfalten kann, wenn Bilder systematisch recherchiert, mit Informationen versehen und gezielt ver\u00f6ffentlicht werden. Seine Fotografien wurden Teil einer \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung \u00fcber Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit. Das National Child Labor Committee setzte sie ausdr\u00fccklich im Rahmen seiner Informations- und Reformarbeit ein. Gleichzeitig besitzen viele dieser Aufnahmen eine fotografische Qualit\u00e4t, durch die sie weit \u00fcber ihre urspr\u00fcngliche Funktion hinaus Bestand haben. Heute sind sie historische Quellen, sozialgeschichtliche Dokumente und bedeutende Werke der Fotografiegeschichte zugleich. Lewis Hine geh\u00f6rt zu den Fotografen, bei denen sich besonders deutlich zeigt, dass Fotografie mehr sein kann als das Festhalten eines Augenblicks. Er fotografierte Menschen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen au\u00dferhalb ihres unmittelbaren Umfeldes h\u00e4ufig kaum wahrgenommen wurden. Dabei verband er seine Bilder mit Recherche und konkreten Informationen. Vielleicht liegt genau darin die bleibende St\u00e4rke seiner Arbeit: Hine musste das Elend seiner Motive nicht k\u00fcnstlich dramatisieren. Er machte es sichtbar. Und manchmal ist genau das die gr\u00f6\u00dfte Wirkung, die eine Fotografie erzielen kann. 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