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T-Bone Walker – Every Day I Have the Blues: Blues mit frischem Groove

Manche Bluesplatten sind besonders interessant, weil sie einen Musiker zwischen zwei Epochen zeigen. „Every Day I Have the Blues“ gehört dazu. T-Bone Walker hatte die elektrische Bluesgitarre längst entscheidend geprägt, als er für dieses Album mit Produzent Bob Thiele zusammenarbeitete. Nun traf seine musikalische Sprache auf den kräftigeren, teilweise funkigen Sound der späten Sechziger. Genau diese Begegnung macht die Platte zu einer lohnenden Entdeckung.

Ein Wegbereiter in einer veränderten Musikwelt

Wer sich mit Blues und gitarrenorientiertem Rock beschäftigt, begegnet T-Bone Walkers Einfluss auch dort, wo sein Name nicht auf dem Cover steht. Er gehörte zu den prägenden Pionieren der elektrischen Bluesgitarre. B.B. King zählte zu den Musikern, die sich ausdrücklich auf ihn beriefen; seine Wirkung reicht bis zu Eric Clapton und Stevie Ray Vaughan. Bei Walker wurde die Gitarre zu einer eigenständigen Stimme, die den Gesang beantwortete und Gefühle in kurzen musikalischen Wendungen ausdrücken konnte.

„Every Day I Have the Blues“ zeigt diesen Wegbereiter in einer späteren Phase seiner Karriere. Bob Thiele hatte 1969 Flying Dutchman Records gegründet und mit Bluestime ein eigenes Label für Blues geschaffen. Dort fand auch Walker ein neues Umfeld. Das Album entstand 1969; bei der Erstveröffentlichung nennen die Quellen teils 1969, teils 1970. Es gehört damit unmittelbar in jene Zeit, in der Blues durch das Interesse eines jüngeren Rockpublikums neue Aufmerksamkeit erhielt.

Erfahrung trifft auf Studiomusiker

An Walkers Seite spielten Louie Shelton an der Gitarre, Max Bennett am Bass, Paul Humphrey am Schlagzeug, Artie Butler an Piano und Orgel sowie Tom Scott am Tenorsaxofon. Die Besetzung erklärt bereits, warum diese Platte mehr bietet als Gitarre, Gesang und eine zurückhaltende Begleitung: Hier stehen unterschiedliche Klangfarben und erfahrene Musiker für ein bewegliches Zusammenspiel bereit.

Musikalisch verbindet das Album elektrischen Blues mit Soul- und Funk-Elementen. Orgel, Saxofon und stellenweise verzerrte Gitarrenklänge verorten es deutlich in seiner Entstehungszeit. Ausgedehnte Instrumentalpassagen geben der Band Raum. Wer vor allem Walkers frühere Aufnahmen kennt, bekommt deshalb eine andere Perspektive auf ihn: Seine vertraute Ausdrucksweise steht in einem jüngeren klanglichen Umfeld.

Diese Verbindung wird durchaus unterschiedlich bewertet. Ace Records hebt die Qualität des Albums hervor, während AllMusic das Zusammenspiel von Walker und den damaligen Produktionstrends zurückhaltender beurteilt. Für die eigene Entdeckung ist gerade diese Spannung interessant: Wie gut passen der elegante Bluesstil und das kräftigere Arrangement für Dich zusammen?

Drei Stücke als Einstieg

Der Titelsong „Every Day I Have the Blues“ bietet einen zugänglichen Einstieg. Der bekannte Bluesstandard bekommt hier eine funkigere Ausrichtung. Beim Hören lohnt es sich, neben Walker auch die Begleitung zu verfolgen: Wie setzt die Rhythmusgruppe Akzente, und welchen Platz lässt sie der Stimme und der Gitarre?

Mit „Vietnam“ folgt ein deutlich zeitbezogener Titel. Die von Bob Thiele geschriebene Nummer bringt den Vietnamkrieg in den Zusammenhang eines langsamen Blues. Damit öffnet sich das Album über die vertrauten Themen von Liebe, Verlust und persönlichen Sorgen hinaus zu einem konkreten politischen Hintergrund.

Besonders reizvoll ist „For B.B. King“, eine Komposition von Louie Shelton. Dass Walker seinem berühmten Bewunderer ein Stück widmet, macht die Nummer zu einer kleinen Begegnung zweier Bluesgenerationen. Für Gitarrenfreunde ist sie ein guter Anlass, auf Phrasierung zu achten: darauf, wie musikalische Gedanken beginnen, sich entwickeln und durch Pausen Gewicht erhalten.

Dazwischen stehen unter anderem John Lee Hookers „Shake It Baby“ und „Cold, Cold Feeling“ aus der Feder von Jessie Mae Robinson. Das fast neunminütige „T-Bone Blues Special“ bietet besonders viel Raum für instrumentales Zusammenspiel. „Sail On“ beschließt das ursprüngliche Album.

Die LP und spätere Ausgaben

Die ursprüngliche LP auf Bluestime umfasst sieben Stücke. Auf Seite A stehen „Every Day I Have the Blues“, „Vietnam“, „Shake It Baby“ und „Cold, Cold Feeling“. Seite B enthält „T-Bone Blues Special“, „For B.B. King“ und „Sail On“.

Bei späteren Ausgaben lohnt sich ein Blick auf die Titelliste: Die 2014 erschienene Ace-CD ergänzt das Album um die Liveaufnahmen „Stormy Monday Blues“ und „Sail On“. Sie gehören nicht zum ursprünglichen Studioalbum.

Eine pauschale Aussage zur Pressqualität wäre ohne konkrete Vinylausgabe wenig hilfreich. Aufnahmecharakter, Mastering und Zustand einer gebrauchten Platte sind unterschiedliche Dinge. Die musikalische Einordnung hier ist deshalb keine Bewertung einer bestimmten Pressung.

Warum sich die Beschäftigung mit dem Album lohnt

Der besondere Reiz dieser Platte liegt in der Begegnung eines einflussreichen Bluesgitarristen mit dem Sound einer späteren Generation. Wer Blues und gitarrenorientierten Rock mag, findet hier einen interessanten Übergang: einen Musiker, auf dessen Ideen andere aufgebaut haben, in einem Umfeld, das inzwischen auch von neueren Strömungen geprägt ist.

„Every Day I Have the Blues“ lässt sich deshalb gut als Einladung verstehen, bei einem vertrauten Namen etwas genauer hinzuhören. Nicht nur die frühen, stilprägenden Aufnahmen erzählen von T-Bone Walker. Auch diese spätere Platte zeigt, wie seine musikalische Sprache in einem veränderten Zusammenhang weiterwirkte.

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